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84. Nordderby HSV - Werder als Millionenspiel | 2006-05-12


Hamburg/Bremen - Es gilt Sicherheitsstufe 1 und es geht um zehn Millionen Euro - selten zuvor hatte ein Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen eine so hohe Bedeutung und Brisanz wie bei der 84. Auflage.

Weil die Emotionen im Endspiel um Platz zwei hochkochen könnten, müssen die Fans beider Clubs strikt getrennt zum Stadion anreisen, die Polizei plant einen Großeinsatz.

Wer die direkte Teilnahme an der Champions League schafft, kann seine Personalplanungen offensiver vorantreiben. So würden die Chancen auf den Verbleib von HSV-Kapitän Daniel von Buyten an der Alster steigen. Und Ivan Klasnic würde sich einen Wechsel von Werder zum HSV wohl zwei Mal überlegen, wenn Bremen sicher in der Königsklasse dabei ist.

Wenn ich die Chance habe, als Zweiter ins Ziel zu kommen, will ich das auch und wäre enttäuscht über Platz drei, sagt HSV-Trainer Thomas Doll, der auf den verletzten Regisseur Rafael van der Vaart im letzten Heimspiel vor ausverkauftem Haus verzichten muss. Zwar haben die Hamburger zuletzt in Berlin verloren, doch bisher nie zwei Mal hintereinander verloren. Zudem hatten sie in den Duellen mit dem FC Bayern München und auch Schalke 04 die Nase vorn. In dieser Woche wurde viel geredet. Wir werden am Samstag Taten sprechen lassen und uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, kündigte Doll an. Auch im 55. Pflichtspiel der Saison will er sich keine Müdigkeit einreden lassen.

Werders Manager Klaus Allofs meinte: Eine seltsame Situation. Ich wäre gern in der Position des HSV, sprich einen Punkt in Front. Doch andererseits glaube ich schon, dass der HSV unter einem größeren Druck steht nach der jüngsten Entwicklung. Die Hamburger hätten eher etwas zu verlieren, Bremen dagegen nur zu gewinnen. Psychologisch gesehen liegt der Vorteil bei uns, so Allofs.

Thomas Schaaf zollt dem Nachbarn und Gegner Respekt. Es war nicht zu erwarten, dass sie so lange konstant spielen, das verdient Anerkennung, sagt der Werder-Coach, der im Gegensatz zu den forschen Sprüchen seiner Spieler die moderaten Töne wählt. Der HSV ist sehr kompakt und hat vor allem eine starke Abwehr. Besonders gespannt ist er auf den Einsatz von Ailton. Wenn er spielt, freuen wir uns, sagte er über den brasilianischen Stürmer, der in seiner letzten Saison in Bremen mit Werder Meister geworden war und dabei 28 Treffer erzielt hatte. Wir kennen ihn zur Genüge.

Auch für Ailton geht es um viel: Der von Besiktas Istanbul Ausgeliehene will auf keinen Fall zurück in die Türkei. Mit seinen drei Toren in der Rückrunde der Bundesliga hat er sich aber bisher nicht so nachhaltig empfohlen, dass die Hamburger die Ablöse für 1,75 Millionen Euro zahlen wollen. Beim letzten Aufeinandertreffen Ailtons mit seinem Ex-Club verloren die Bremer 2:3 gegen Besiktas, Ailton schoss alle drei Tore für die Türken. Wir hoffen nicht, dass er uns wieder dauernd ein Ei reinlegt, sagte Miroslav Klose, sein Nachfolger im Bremer Sturm.

Über den Einsatz von Bremens Kapitän Frank Baumann wird erst Spietag entschieden. Baumann hatte nach auskuriertem Innenbandeinriss im linken Knie erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert. Wer immer um 17.15 Uhr als Nummer eins im Norden feststeht, ein Sieger steht schon vorher so gut wie fest: Klose, der bislang 24 Treffer erzielt hat, dürfte die Saison als Torschützenkönig beenden.


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