Hamburg - Die Verlierer waren enttäuscht, hatten aber allen Grund, sich feiern zu lassen. Mit erhobenem Haupt verließen die Spieler des FC St. Pauli nach einem begeisternden Pokalkampf den Rasen des Millerntor-Stadions und hatten noch in der Kabine den tosenden Applaus in den Ohren.
Der Außenseiter aus der Regionalliga, der im DFB-Pokal schon Hertha BSC und Werder Bremen ausgeschaltet hatte, stand gegen Bayern München nur knapp vor einer weiteren Sensation - auch wenn das klare 3:0 für den Rekordmeister und Bundesliga-Tabellenführer eine andere Sprache spricht.
Es war ein toller Fußball-Abend, zu dem der FC Bayern sicher seinen Teil beigetragen hat, sagte der Münchner Trainer Felix Magath, aber der größte Teil kam sicher vom FC St. Pauli. Auch Manager Uli Hoeneß, nach dem Spiel mit St.-Pauli-Schal um den Hals, verteilte Komplimente an den Fünften der Regionalliga Nord: Ein unglaublicher Fight. Wir haben große Schwierigkeiten gehabt.
Die Bayern-Spieler waren noch beeindruckt von der Atmosphäre in der maroden Arena, die man trotz aller Erzählungen offenbar erst selbst erlebt haben muss. Mit einer bunten Lichter-Choreografie und der traditionellen Einlaufmusik, Hells Bells von AC/DC, wurden die Mannschaften empfangen. Das gibt ab und zu eine Gänsehaut, sagte Valerien Ismael. Oliver Kahn wagte einen großen Vergleich. In der Champions League ist es toll, aber das ist etwas Außergewöhnliches. Das ist Fußball pur, schwärmte der Bayern-Torhüter von der Stimmung unter den 19 400 Zuschauern. Das war ein ganz tolles Erlebnis.
Vor allem bei Kahn durften sich die Bayern bedanken, dass sie zum 15. Mal ins Endspiel einzogen. Nachdem Owen Hargreaves den Favoriten mit einem 25-Meter-Schuss früh in Führung gebracht hatte (15. Minute), musste Kahn in der Drangphase der Hamburger in der zweiten Hälfte mehrmals sein ganzes Können aufbieten. Erst parierte er einen Kopfball von Felix Luz (54.), dann klärte er gegen Thomas Meggle (77.), den einzigen verbliebenen Weltpokalsieger-Besieger von 2002.
In dieser Phase waren die Bayern nur noch der Schatten eines souveränen Spitzenteams. Die Abwehr schlug planlos die Bälle nach vorne, der Angriff mit Roy Makaay und Claudio Pizarro verdiente seinen Namen nicht. Ein Ausgleichstor hätte das Spiel jederzeit kippen können. Die Analysen der Bayern-Stars waren dennoch wenig selbstkritisch. Ich glaube, wir haben gut gespielt, meinte Pizarro, der mit zwei späten Toren die Partie entschied (84./89.). Der starke Philipp Lahm sprach von einem am Ende verdienten Sieg.
Bei St. Pauli, das mit dem Einzug ins Halbfinale zugleich seine größten Finanzsorgen loswurde, legte sich die erste Enttäuschung nach dem Aus allmählich. Ich bin sehr stolz, sagte Sportchef Holger Stanislawski, heute hat nicht der Bessere gewonnen. Timo Schultz, neben Luz einer der Besten bei den Hamburgern, betonte: Wir sind nicht umsonst bis ins Halbfinale gekommen. Gefeiert wurde bei St. Pauli trotz der Niederlage - wenn auch bei weitem nicht so überschwänglich wie nach den Siegen gegen Berlin und Bremen.
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