Berlin/Kaiserslautern - Mit der größten Katastrophenschutzübung in der Geschichte Berlins hat das Land seine Einsatzbereitschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft getestet.
Rund 2000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und anderen Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Unter Leitung der Feuerwehr wurden drei Schreckensereignisse zeitgleich an verschiedenen Orten der Hauptstadt durchgespielt. Das Besondere an dem Test: Auch Krankenhauspersonal probte den Ernstfall. Etwa 400 Verletzte mussten auf die Berliner Kliniken verteilt werden. Vertreter der FIFA sowie rund 200 Sicherheitsexperten aus ganz Europa beobachteten den Ablauf. Eine ähnliche Notfallübung wurde zeitgleich am WM-Spielort Kaiserslautern absolviert.
Der Berliner Landesbranddirektor Albrecht Broemme zog eine zwiespältige Bilanz. Während nach seinen Worten zwei der Einsätze - nach dem Einsturz einer Großbildleinwand in Mariendorf und einer Explosion in Karlshorst - gut bewältigt wurden, musste der dritte erfolglos abgebrochen werden. Die Helfer hatten nach einem simulierten Unfall mit Chemikalien am S-Bahnhof Gesundbrunnen in Wedding viel zu lange gebraucht, um die Verletzten zu versorgen. Für die meisten der Betroffenen wäre die Hilfe wohl zu spät gekommen.
Verzögerungen und Probleme gab es auch in Kaiserslautern. Bei der Versorgung der Verletzten sei es teilweise zu Stockungen gekommen, räumte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstbereiches Kaiserslautern, Thomas Luiz, ein. Auch die Verständigung der Einsatzkräfte per Funk hätte besser funktionieren können, so Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernard Deubig. Trotzdem zeigte sich das Stadtoberhaupt zufrieden: Wir sind fit für die WM. Man habe wichtige Erkenntnisse gewonnen, die man nun in die Planung einarbeiten werde. Simuliert wurde unter anderem ein Zugunglück am Hauptbahnhof Kaiserslautern mit rund 150 Verletzten.
Am Schauplatz Berlin-Mariendorf sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zuvor: Berlin ist für solche Fälle gut vorbereitet. Hoffen wir, dass sie nicht eintreffen. Diesen Wunsch nahm wohl jeder Beobachter mit. Denn es braucht wenig Phantasie, um sich die von Soldaten und Freiwilligen gespielten Horrorszenen als real vorzustellen: In dem Fußballstadion startet der Einsatz um 11.30 Uhr. Eine Großbildleinwand ist auf Fußball-Fans gestürzt, an die 200 Verletzte und 20 Tote sind unter dem tonnenschweren Gerüst begraben. Verletzte schreien um Hilfe, geschockte Menschen irren in blinder Panik über den Platz. Der Einsturz einer Videowand hatte sich tatsächlich 1990 bei der Silvesterfeier am Brandenburger Tor ereignet. Während der WM sollen mehrere davon in der Hauptstadt aufgebaut werden.
Um 11.47 Uhr treffen aus den umliegenden Wachen die ersten Feuerwehrleute ein; das sei laut Landesbranddirektor Broemme eine vertretbare Frist. Mehr und mehr von Polizisten und anderen Hilfskräften unterstützt, bergen und versorgen die Feuerwehrleute die zum Teil martialisch geschminkten Verletzten. Diese werden wegen der Kälte in Isolierdecken gehüllt. Dutzende Rettungs- und Notarztwagen stehen mit blinkenden Signalen auf dem Platz. Nach einer knappen Stunde sind fast alle von der Unglücksstelle geborgen, ein großes orangefarbenes Behandlungszelt ist aufgebaut.
Die Behörden hatten der Übung wegen der Gleichzeitigkeit an drei Schauplätzen den Codenamen Triangel gegeben. In Karlshorst mussten sich die Helfer um die möglichen Folgen einer Explosion kümmern, die auf einem Firmengelände zu einem Großbrand führte. Im Wedding wurde simuliert, wie ein Baustellenunfall auf Bahngelände giftige Gase freisetzt. Dabei wussten die Helfer laut Broemme vorher nicht, an welcher Stelle sie zum Einsatz kommen. Die Aktionen wurden zusätzlich durch dichtes Schneetreiben behindert.
Wir brauchen den April zur Auswertung und den Mai für Änderungen am Konzept, um am 9. Juni bereit zu sein, erklärte Broemme. Etwa 840 Feuerwehrleute waren in Berlin im Einsatz; so viele werden es auch an den Tagen sein, an denen in der Hauptstadt WM-Spiele stattfinden. Kurzfristig können sie durch Unterstützung unter anderem aus Brandenburg auf 1100 erhöht werden. An normalen Tagen tun in Berlin 570 Feuerwehrleute Dienst. Während der gesamten WM herrscht bei den Sicherheitsbehörden Urlaubssperre.
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