Hannover - Eine Explosion erschüttert das WM-Stadion in Hannover. Dichter Rauch steigt von der Tribüne auf. Die Zuschauer beginnen um Hilfe zu schreien, springen auf. Andere sinken blutüberströmt in ihren Sitzen zusammen.
Mit diesem Szenario haben sich 2000 Kräfte von Feuerwehr und Polizei in Hannover auf eine mögliche Katastrophe bei der Fußball-Weltmeisterschaft vorbereitet. Das ist die bundesweit größte Notfall-Übung zur WM, sagt Feuerwehrsprecher Alfred Falkenberg.
500 Verletzte und 50 Tote, gespielt von Freiwilligen, müssen die Helfer aus dem Stadion bergen. Die Retter eilen durch die Reihen der Verletzten, die dramatisch geschminkt sind: Einige haben nur Schürfwunden, anderen dagegen wurden Gliedmaßen abgerissen. Als erstes kennzeichnen die Retter die Opfer mit Plastik-Bändchen: Rot für die Menschen, die sofort in die eigens aufgebauten Notfall-Zelte nahe des Stadions gebracht werden müssen, weiß für die leichter Verletzten. Die Toten bekommen eine weiße Schlaufe um den Hals.
Das Ziel der Übung ist es, die Verletzten binnen zwei Stunden medizinisch zu versorgen. Nach dem Einsatz steht fest, dass diese Vorgabe sogar um 20 Minuten unterboten wurde. Ich bin zufrieden, sagt Feuerwehr-Chef Claus Lange. Alles habe reibungslos funktioniert. Auch Hannovers Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa bilanziert: Die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte hat hervorragend geklappt.
Neben Feuerwehrleuten aus ganz Niedersachsen sind auch rund 200 Helfer des Technischen Hilfswerks nach Hannover gekommen. Dazu werden 400 Polizisten alarmiert, ein Polizeihubschrauber kreist Minuten nach der Detonation über dem Stadion. Im Einsatz sind die Rettungsdienste der Johanniter, der Malteser, des Arbeitersamariterbundes und des Deutschen Roten Kreuzes. Die Kosten der Großübung beziffert Feuerwehr-Chef Lange auf etwa 96 000 Euro.
Rund um das Stadion werden die Verletzten an fünf so genannten Behandlungsplätzen versorgt. Etwa 50 Opfer müssen über Verätzungen mit einem chemischen Stoff klagen. Sie werden in orangenen Zelten entseucht - im Normalfall würde dazu eine Seifenlösung benutzt, sagt ein Feuerwehr-Sprecher. Die Helfer in den Dekontaminations- Stationen sehen gespenstisch aus, sie tragen luftdicht abgeschlossene Schutzanzüge und Gasmasken. Das ist alles schon sehr realistisch, sagt der 18-jährige Björn Lehmann, der einen Verletzten mit einer klaffenden Wunde am Auge spielt.
In den Notfall-Zelten sollen die Verletzten transportfähig gemacht werden und von dort so schnell wie möglich in Krankenhäuser gebracht werden. So sieht es das Konzept des Notfallmediziners Prof. Hans- Anton Adams von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vor, das am Samstag erprobt wird. Im Minutentakt rasen dann Rettungswagen mit Blaulicht in zwei Erstversorgungskliniken. Mehr als 300 Krankenwagen sind es insgesamt.
Was die Katastrophe im WM-Stadion ausgelöst hat, dazu will die Feuerwehr offiziell nichts sagen. Das ist für uns eigentlich auch unwichtig. Wir haben die Opfer und müssen sie da rausholen, sagt Feuerwehr-Sprecher Falkenberg. Für die Beteiligten steht aber schnell fest, dass es sich wohl um einen Terroranschlag handelt. Wodurch sonst werden 500 Menschen auf einen Schlag schwer verletzt, fragt ein Helfer am Rande der Übung.
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