Gelsenkirchen - Hochmut kommt vor dem Fall: Nach einer bisher fast makellosen Rückrunde haben die Fußballprofis des FC Schalke 04 den inneren Schweinehund gegen den VfL Wolfsburg nicht besiegen können und im Kampf um die Champions-League-Plätze den zweiten Rückschlag innerhalb von einer Woche hinnehmen müssen.
Sechs Tage nach dem 0:3 bei Bayern München büßte der Revierclub mit dem 2:2 (1:1) gegen die ersatzgeschwächten Niedersachsen weitere Zähler ein und verspielte eine bessere Ausgangsposition vor der Spitzenpartie gegen den Hamburger SV. Trotz der teilweise arrogant wirkenden Spielweise sieht Manager Andreas Müller noch keinen Anlass zur Besorgnis: Wir haben zwei Dämpfer in einer Woche bekommen. Aber solche Phasen machen auch andere Spitzenteams durch. Es war klar, dass auch wir mal einen kleinen Hänger haben würden.
Mehrfach habe er sein Team massiv gewarnt, den angeschlagenen und ohne das Sturmduo Diego Klimowicz/Mike Hanke (19 Tore) sowie Abwehrchef Kevin Hofland angetretenen Gegner zu unterschätzen, betonte Trainer Mirko Slomka. Doch seine Spieler schlugen die Mahnungen offenbar in den Wind, dachten, es ginge im Schongang, wirkten müde und unkonzentriert. Selbst das frühe 1:0 von Rückkehrer Kevin Kuranyi (7.), der nur 24 Tage nach seiner Meniskus-Operation wieder im Team stand, schien die Elf vor 60 576 Fans in der Veltins- Arena mehr zu lähmen denn zu beflügeln. Wir haben das frühe Tor genossen und dann einen Gang runter geschaltet, kritisierte Slomka. Sein Fazit nach dem heftigen Rückschlag lautete: Wir sind der Verlierer des Spieltages, Bremen ist der Gewinner.
Dass auch der Tabellen-Zweite aus Hamburg beim 2:4 gegen Dortmund patzte, war für die auf Rang vier gerutschten Schalker kein Trost. Zwar habe man auf den HSV sogar einen Punkt gut gemacht, rechnete Müller vor. Aber die Hanseaten mit einem Sieg am Sonntag zu überflügeln, diese Chance wurde leichtfertig vertan. Daher ist er gespannt, wie die Elf im UEFA-Cup-Viertelfinale bei Levski Sofia und dann gegen den HSV reagiert. Jetzt geht es auf die Zielgerade, da braucht man Stehvermögen. Am Ende entscheiden kleine Dinge darüber, ob man Zweiter, Dritter oder Vierter wird, sagte Müller. Anders als vor einem Jahr, als Schalke die Bayern ziehen lassen musste, rechnet er nicht mit einem totalen Einbruch: Wenn wir unsere Leistung abrufen, ist mir vor keinem Gegner bange. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Endspurt hinlegen.
Die tapfer kämpfenden Wolfsburger - vor dem Spieltag nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt - verdienten sich den wichtigen Auswärtspunkt redlich. Nach dem 1:1 von Rick Hoogendorp (29.) steckten sie auch den abermaligen Rückstand durch Lincoln (67.) weg. So durfte sich neben Hoogendorp auch dessen erst 20 Jahre alter Teamkollege Christopher Lamprecht (76.) über sein erstes Bundesligator freuen. Wir hatten uns vorgenommen zu punkten, waren spielerisch überlegen, sagte der selbstbewusste Jungprofi, der an einen Abstieg des VfL keinen Gedanken verschwendet. Ich bin tausendprozentig sicher, dass wir drin bleiben.
Trainer Klaus Augenthaler war nach der überraschend starken Vorstellung voll des Lobes. Uns hatte doch keiner etwas zugetraut. Dieser Punkt war wichtig für die Moral. Und es wäre sogar noch mehr drin gewesen, denn wir hatten die besseren Chancen, analysierte der Coach nach dem vierten sieglosen Spiel in Serie: Aber wenn wir weiter an uns glauben, werden wir bald einen Dreier einfahren.
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