Bremen - Werder Bremens Coach Thomas Schaaf trainierte eine Gruppe der Shakespeare Company. Der Zeitpunkt der ungewöhnlichen Nachhilfemaßnahme für die Schauspieler-Truppe hätte nicht besser gewählt sein können, denn bei Werder spielt sich derzeit ein ungewohntes Theater ab.
Hauptdarsteller sind die Stürmer Nelson Valdez und Ivan Klasnic, die sich in den Rollen des jungen Wilden und des unverstandenen Helden gefallen. Derbe Worte und harsche Kritik am Trainer, von beiden Angreifern in aller Öffentlichkeit vorgetragen, waren für das beschauliche Bremen eine Art Uraufführung.
Reagieren oder nicht reagieren? Das war die Frage für Schaaf und Manager Klaus Allofs. Während in Bremen ansonsten die meisten Dinge hinter den Kulissen geregelt werden, gab es zumindest im Fall von Klasnic einen öffentlich vorgetragenen Konter. Schließlich hatte der Stürmer ein grobes verbales Foul begangen.
Ich bin vom Trainer enttäuscht, hatte der gegen Hannover 96 nur eingewechselte Kroate in einem Interview gesagt. Wenn er mir die Gründe erklärt hätte, warum ich nicht spiele, hätte ich es vielleicht noch verstehen können. Doch er hat nichts gesagt, gar nichts. Das kapiere ich nicht, das akzeptiere ich nicht. Patzig hatte er noch hinterher geschoben: Wenn er mich jetzt ansprechen will, weil er meinen Ärger in der Zeitung liest, braucht er nicht zu kommen. Er hätte von allein kommen müssen!
Solch deftige Kritik am Übungsleiter hat in Bremen bisher noch niemand vernommen. Auch Valdez Ärger bekam die Club-Führung zu spüren. Der mit seiner Rolle als Edel-Joker unzufriedene Stürmer, der als Klasnic-Ersatz drei Tore gegen Hannover erzielte, polterte: Ich habe die Schnauze voll.
Derartige Risse in der scheinbar heilen Werder-Welt sind für das geneigte Bremer Publikum neu. Zumal Schaaf, der beim Trainingsspiel mit der Shakespeare Company im Team Tragödie mitkickte, eine neue Rolle in der Bundesliga-Inszenierung übernahm und - ohne seinen Kritiker direkt anzusprechen - ein Revanchefoul beging: Wenn einer einige Wochen gut spielt und dann meint, das würde reichen - der hat den Schuss nicht gehört.
Manager Klaus Allofs bestellte Klasnic zum Einzelgespräch und berichtete: Ich habe ihm deutlich klar gemacht, dass er so was nicht sagen darf. Der kroatische Nationalstürmer kam hernach zu dem Schluss, dass alles in Ordnung ist.
Eine mögliche Erklärung für das Theater an der Weser ist, dass Manager Allofs mit seinem publikumswirksam vorgetragenen Interesse an Lukas Podolski für Verwirrung gesorgt hat und sich beide Spieler deshalb eine eine neue, besser bezahlende Bühne suchen wollen. Die Engagements von Valdez und Klasnic laufen bis 2007, doch beide kokettieren damit, dass sie auch woanders sehr begehrt sind. Während dem 22-jährigen Valdez vielleicht noch jugendlicher Sturm und Drang zugute zu halten ist, wirkt der Auftritt von Klasnic (26) eher als bewusste Provokation.
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