Sofia - Neun Jahre nach dem UEFA-Cup-Triumph nimmt der Traum vom zweiten internationalen Titel Gestalt an, doch schon eine halbe Stunde nach dem Coup in Sofia rückten beim FC Schalke 04 das Bundesliga-Topduell mit den Hamburger SV in den Blickpunkt.
Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit Ailton gibt dem Spiel einen zusätzlichen Reiz. Ich denke, dass die Motivation gegen den HSV jetzt besonders groß ist. Das ist ein sehr wichtiges Spiel im Kampf um die Champions-League-Plätze, sagte Mirko Slomka nach dem schwer erkämpften 3:1 (0:1) beim bulgarischen Spitzenclub Levski Sofia im Viertelfinal-Hinspiel des UEFA-Pokals.
Der Schalker Coach ist sicher, dass die gegen 1.00 Uhr am Freitagmorgen in Münster/Osnabrück gelandete Mannschaft die Strapazen durch die Doppelbelastung diesmal besser wegsteckt als vor zwei Wochen. Da folgten dem Sieg über Palermo drei Tage später der Einbruch beim FC Bayern München (0:3) und das magere 2:2 gegen den VfL Wolfsburg. Doch der nahezu perfekte Einzug ins Halbfinale, in dem der letzte deutsche Europapokal-Vertreter am 20. und 27. April vermutlich auf den FC Sevilla (4:1 gegen St. Petersburg) trifft, soll den Profis einen zusätzlichen Adrenalinschub verleihen. Slomka: Am Sonntag haben wir wieder eine fitte Mannschaft auf dem Platz. Gott sei Dank haben wir ein Heimspiel und müssen nicht wieder reisen.
Um in der Woche der Wahrheit einen mentalen Spannungsabfall zu vermeiden, will der Trainer nur eine kurze Regeneration erlauben und die Spieler auf Trab halten. Und er warnt davor, das Rückspiel gegen Sofia schon abzuhaken. Schließlich tat sich die Elf nach dem Schock des frühen Rückstands durch Ex-Löwe Daniel Borimirow (6.) und trotz der Gelb-Roten Karte für Cedric Bardon (35.) im Hexenkessel des Vassil-Levski-Stadions lange Zeit schwer. Erst nach dem Wechsel schossen der eingewechselte Gustavo Varela (48.), Lincoln (69.) und Gerald Asamoah (79.) den Sieg heraus. Dennoch vermisste Teammanager Andreas Müller in dieser Phase den Killerinstinkt: So brutal sich das anhört. Wenn der Gegner am Boden liegt, muss man auch mal drauftreten.
Man habe bis zum Platzverweis gesehen, wie stark Sofia ist. Dann habe man es ruhig und clever zu Ende gespielt, sagte Slomka, der aber gestand, dass Torhüter Frank Rost zwei Mal in Weltklassemanier Schlimmeres verhindern musste. Slomka verlangt im Saisonfinale von den Spielern weiterhin höchste Konzentration und vollen Einsatz: Es geht nicht mehr nur um Platz zwei oder drei in der Liga, sondern wir haben noch ein zweites Ziel: Das ist der Gewinn des UEFA-Cups.
Auch Müller lässt Müdigkeit vor dem Duell gegen den ohne Daniel van Buyten (verletzt) und Khalid Boulahrouz (gesperrt) antretenden HSV als Entschuldigung nicht zu. Das Ergebnis sollte uns beflügeln. Es spielt keine Rolle, wie viele Partien wir bestritten haben. Wir haben es doch so gewollt, betonte er. Wenn man sich jetzt noch das Halbfinale nehmen lasse, wäre das eine große Katastrophe. Müller: Wir haben die Chance, den UEFA-Pokal zu holen und wollen in beiden Wettbewerben das Optimale. Aber am Sonntag genießt die Bundesliga wieder Priorität.
Nur ein Sieg gegen die Elf von Thomas Doll würde Schalke (52 Punkte) im Dreikampf mit Werder Bremen (53) und dem HSV (56) aussichtsreich im Rennen halten. Entsprechend engagiert wollen die Knappen zu Werke gehen. Es geht um alles, sagte Asamoah. Und Kevin Kuranyi verspricht seinem Stürmer-Vorgänger auf Schalke, dem Brasilianer Ailton, einen heißen Tanz: Er ist ein lockerer Typ und lacht gerne. Aber am Sonntag wird er nichts mehr zu lachen haben.
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