Madrid - Allein sein Anblick scheint die Madrilenen in Angst und Schrecken zu versetzen. Ronaldinho ist für Real Madrid zu einem Schreckgespenst geworden.
Vor dem großen Schlager des spanischen Fußballs zwischen dem FC Barcelona und Real plagt die Königlichen wieder die Frage: Wie ist dieser blaurote Dämon nur zu stoppen? In der Hinrunde im November hatte der Brasilianer bei Reals 0:3-Schlappe die Madrilenen vor eigenem Publikum vorgeführt und schonungslos offen gelegt, dass die Weißen auch in dieser Saison den Katalanen kaum das Wasser reichen können.
Ronaldinho schoss bisher in drei Derbys vier Tore gegen Real. Nach der Studie der Consultingfirma BBDO ist der Weltfußballer des Jahres 2004 und 2005 mittlerweile auch der werbeträchtigste Spieler der Welt, noch vor der Werbe-Ikone David Beckham. Dem für Real kickenden Engländer bleibt der Trost, dass die Leser des Sportblatts Marca ihn zum schönsten Fußballer wählten, noch vor dem - von Real umworbenen - Schönling Cristiano Ronaldo (Manchester United).
Wir wollen Barça das 0:3 heimzahlen, behauptet Reals Jungstar Sergio Ramos trotzig. Für die Königlichen geht es im Derby im Camp-Nou-Stadion vor allem darum, die verletzte Ehre zu retten. Sie liegen in der Primera División elf Punkte hinter dem Meister zurück. Selbst bei einem Sieg blieben ihnen kaum Titelhoffnungen. Auch sonst sind die Aussichten bei Real eher trübe: Der neue Clubchef Fernando Martín hatte versprochen, rasch einen neuen Trainer zu verpflichten, aber nach einem Monat steht er immer noch mit leeren Händen da.
In Barcelona beruhen Reals Hoffnungen darauf, dass die Katalanen in Gedanken bei der Champions League sind und in ihren beiden letzten Spielen über ein 0:0 nicht hinauskamen. Barças Assistenztrainer Henk Ten Cate sieht darin keinen Grund zur Panik: Das war Pech, und Glück kann man nicht trainieren. Und sollte Ronaldinho nicht treffen, hat Barcelona in Samuel Etoo noch einen zweiten Real-Schreck in seinen Reihen. Der Kameruner erzielte bereits sieben Treffer gegen die Madrilenen, vier für RCD Mallorca und drei für Barça.
Die spanischen Fans mussten zuvor befürchten, dass das Derby wegen eines Streiks der Schiedsrichter abgesagt wird. 32 Stunden vor dem Anpfiff machten die Referees ihren Streikbeschluss jedoch rückgängig. Sie hatten infolge eines Machtgerangels zwischen dem spanischen Fußballverband (RFEF) und der Profi-Liga (LFP) zwei Monate kein Geld bekommen. Beide Organisationen verständigten sich dann aber über die Bezahlung.
Dennoch gingen die Unparteiischen aus dem Zwist als Verlierer hervor. Die Presse warf ihnen vor, sie hätten sich vom RFEF ausnutzen lassen. Das Fachblatt Sport sprach von einer nationalen Schande. As meinte: Die Schiedsrichter verkleideten sich als Gewerkschafter und führten eine Schmierenkomödie des RFEF-Präsidenten Angel María Villar auf. Einigen wäre es gar lieber gewesen, die - in einem schlechten Ruf stehenden - Schiedsrichter hätten doch gestreikt. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Referees aus England, Frankreich oder Italien zu holen, meint As-Chefredakteur Alfredo Relano.
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