Berlin - Mit seinen Kindern Viviane und Marcelinho junior im Arm genoss Herthas Matchwinner die zurückgekehrten Glücksgefühle - auf der anderen Seite kündigte sich für VfB-Trainer Armin Veh eine besondere Oster-Überraschung an.
In den nächsten 14 Tagen werde es im Stuttgarter Club eine Entscheidung geben, ob er auch in der kommenden Saison noch Chefcoach der Schwaben sei, verriet Veh. Man muss und wird jetzt schnell zu einer Entscheidung kommen, ganz klar, sagte ein überraschend gefasst wirkender VfB-Trainer, der erst Anfang Februar Giovanni Trapattoni abgelöst hatte. Bis Mai könne niemand mehr warten, spätestens zu Ostern wüssten alle Bescheid, übermittelte der 45-jährige Veh. Es geht nicht um mich, es geht um den VfB.
Die Aussichten auf eine Weiterbeschäftigung scheinen sich nach dem 0:2 seines Teams bei Hertha und nun fünf Bundesliga-Partien ohne Sieg nicht gerade verbessert zu haben. Veh hatte alle Register gezogen, war mit seinen Profis in ein Trainingslager gegangen, hatte Tacheles geredet (Manager Horst Heldt), packte einige Überraschungen wie den Kroaten Mario Carevic in die Anfangself - doch sein Personal zeigte nur in fünf der 90 Minuten Biss und Hunger auf den heiß begehrten Rang fünf. Dass wir was machen müssen, hat ja jeder gesehen, polterte Heldt und schob gleich eine Warnung an einige satte Profis hinterher: Wir werden genau beobachten, wer hängt sich rein für den Verein. Jeder spielt jetzt für seine Zukunft bei uns.
Herthas Juwel und Doppel-Torschütze Marcelinho, zuletzt von altem Glanz genauso weit entfernt wie von seiner geliebten brasilianischen Heimat, spielt immer auch ein bisschen um seine Zukunft. Mal will der 30-Jährige seinen 2007 auslaufenden Vertrag mit Hertha am liebsten sofort bis kurz vor der Rente verlängern. Dann bringt er einen Wechsel beispielsweise zu Schalke 04 ins Gespräch. Nach seiner x-ten Wiedergeburt nach unergründlicher Formkrise wollte er von all dem allerdings nichts wissen: Jetzt kommt der Frühling, ich muss keine Handschuhe mehr tragen. Jetzt gibt es wieder den alten Marcello.
Ein rundum zufriedener Hertha-Manager Dieter Hoeneß (Das ist das Ende der Krise) verknüpfte das Frühlings-Erwachen des Superstars, der um ein Haar sein 150. Bundesliga-Spiel erst einmal nur von der Bank erlebt hätte, mit dem Hinweis auf notwendige Bestätigung. Ich hoffe, dass Marcello in den nächsten sechs Spielen mit dazu beiträgt, dass wir unseren Platz halten, sagte Hoeneß, der lobte: Seine Körpersprache war wieder ganz anders. Und das Tor zum 1:0 wollte er unbedingt. Nachdem Marcelinho gleich drei Stuttgarter vernascht und aus 16 Metern getroffen hatte (46.), legte er vom Elfmeterpunkt seinen elften Saisontreffer nach (69.).
Das war eine große Erleichterung, nachdem ich so hart kritisiert worden bin, fasste Marcello senior seine Gefühle zusammen und drückte seine Kinder noch fester. Die übrigens würden sich wie er auch in Berlin sehr wohl fühlen, machte er dann doch nochmals deutlich, dass er trotz der harten Winter gern länger bleiben würde.
Armin Veh (Mich muss man nicht bemitleiden in dem Job) will über seine eigene Zukunft zunächst nicht mehr sprechen, sondern lieber mit seinen Profis: Diese Woche wird es etwas anders zugehen als bisher. Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen, egal, welcher Name es ist. Denn wenn seine Spieler schon weit entfernt sind von Offensivkunst, dann müssten sie eben einfach über den Willen kommen. Denn aufgeben will Veh noch lange nicht.
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