Stuttgart - Der nach einer Herzoperation an den Schreibtisch zurückkehrende Gerhard Mayer-Vorfelder sieht den zuletzt kriselnden deutschen Fußball neun Wochen vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica wieder auf einem guten Weg.
Ich bin der Meinung, dass wir die Talsohle durchschritten haben und uns am Gegenhang bewegen, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview mit der dpa. Deutschland sei dabei, den Abstand zur internationalen Spitze zu verringern. Bei den Jugend-Nationalmannschaften befinden wir uns schon wieder auf Augenhöhe.
Trotz einiger Rückschläge in der Vorbereitung auf das große Fußball-Fest sowie dem Riesen-Wirbel in der Torhüter-Frage traut Mayer-Vorfelder der Nationalelf eine gute Rolle und ein gutes Abschneiden zu. Ich bin nicht vermessen: Der Viertelfinaleinzug wäre gut, das Halbfinale eine ganz tolle Sache, sagte er. Bundestrainer Jürgen Klinsmann habe sich für die Weltmeisterschaft hohe Ziele gesetzt und auch die Fans wollten unbedingt den Titel.
Mayer-Vorfelder warnte angesichts des jungen Durchschnittsalters der Mannschaft und der daraus mangelnden Routinie vor überzogenen Erwartungen: Das Team wird es deswegen bei dieser WM schwer haben, sein volles Leistungsvermögen abzurufen.
Der DFB-Präsident rät deshalb Klinsmann, längerfristig Bundestrainer zu bleiben. Wenn er ernten will, was er gesät hat, dann muss er bis zur EM 2008 verlängern - oder noch besser bis zur WM 2010. Klinsmann genießt bei seiner schwierigen Mission volle Rückendeckung Mayer-Vorfelders, der den früheren Stürmerstar und Weltmeister von 1990 schon aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart und sogar davor bestens kennt. Man kann ihn ein Stück weit abschirmen gegen öffentliche Attacken, gegenüber der DFB-Administration, sagte er.
Auch beim vor allem vom WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer immer wieder geschürten Reiz-Thema Wohnort und Präsenz stellte sich der DFB-Präsident hinter seinen in Kalifornien lebenden schwäbischen Landsmann. Wenn nun einer meint, der Bundestrainer müsse ständig da sein, so bleibt ihm das überlassen. Es kommt immer auch darauf an, wie man seine Meinung sagt. Allerdings räumte Mayer-Vorfelder ein, dass Klinsmann ein eigenwilliger Typ sei und es nicht ganz einfach mit ihm sei. Wenn Jürgen sich etwas in den Kopf gesetzt hat, versucht er das in aller Regel durchzusetzen. Da sie beide sich gut kennen würden, wäre das aber lösbar.
Auch nach seiner Herzoperation und fast drei Monaten Pause fühlt sich Mayer-Vorfelder für das anstehende Mammut-Programm bestens gerüstet. Nach vier Wochen Klinikaufenthalt und vier Wochen Rehabilitation in Bad Ditzenbach kehrt der 73-Jährige am 6. April offiziell an seinen Schreibtisch zurück, hat aber schon längst mit der Arbeit wieder begonnen. Auf die geliebten Zigaretten verzichtet der frühere Kettenraucher seit drei Monaten und hofft, dass ich das durchhalte. Viele Spaziergänge und eine vernünftige Lebensweise fördern die Gesundheit. Ich fühle mich fit genug für diese Herausforderung, versicherte Mayer-Vorfelder.
Schließlich will sich der Multi-Funktionär bei seinem letzten großen Auftritt als DFB-Präsident angemessen vom Amt verabschieden. Eine WM zum Abschluss ist ein toller Höhepunkt. Schöner könnte es gar nicht sein, sagte Mayer-Vorfelder. Ich wünsche mir natürlich ein gutes Ende im Fußballerischen. Aber ganz kann der frühere Minister auf seine eigentliche Lieblingstätigkeit nicht verzichten: Seine Aufgaben in der Exekutive der FIFA bis 2007 und der UEFA bis 2009 erfüllt er selbstverständlich.
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