Aerzen - Wo sich Hase und Igel Gute Nacht sagen, werden Sicherheitsbehörden zur Fußball-WM in höchster Alarmbereitschaft sein, um die französische Nationalmannschaft zu beschützen.
Abgeschieden zwischen Feldern und wenigen Bauernhäusern haben Fußballstar Zinedine Zidane und Co am Rande der 12 000 Einwohner großen Gemeinde Aerzen im Weserbergland ihr WM-Quartier gefunden. Die Nationalelf aus Frankreich, die zu den Favoriten der WM gehört, mag es ländlich, aber auch nobel.
Das Fünf-Sterne-Schlosshotel Münchhausen, umgeben mit einem Wassergraben, riesiger Parkanlage und gepflegten Golfplätzen, ist ein eleganter Ort für Genießer. Sterne-Koch Achim Schwekendiek serviert dort Gaumenfreuden für Gourmets. Allerdings werden sich die Ballkünstler wohl weniger der französischen Lebensart mit ausgedehntem Essen widmen können - im Vordergrund steht hartes Training.
Auf dem Menüplan stehen sehr viele Kohlenhydrate, sagt der Direktor des Schlosshotels, Karsten Wierig. Gänsestopfleber etwa - eine französische Delikatesse - werde eher nicht serviert. Auf Croissants wollen die Feinschmecker aber nicht verzichten - die Teigwaren für die Fußballer kommen direkt aus Frankreich.
Mit der Ruhe in dem Fleckchen Schwöbber mit dem historischen Renaissance-Schloss als Mittelpunkt wird es im Sommer vorbei sein. Dort, wo sonst weniger Menschen leben als eine Fußballmannschaft Spieler hat, sollen hohe Zäune den Blick Neugieriger verstellen. Scharen von Sicherheitsleuten werden sich auf dem Areal tummeln. Der Bürgermeister von Aerzen (Kreis Hameln-Pyrmont), Peter Bartels (SPD) rechnet zur WM mit rund 10 000 Fans.
Wir sind auf einen großen Andrang vorbereitet, es ist eine große Vorfreude da, sagt Bartels, der selbst gerne an der Cote dAzur Urlaub macht. Aerzen und die benachbarte Rattenfänger-Stadt Hameln rüsten sich unter anderem mit zusätzlichen Campingplätzen, Kulturprogrammen und der Übersetzung von Speisekarten. Wir werden uns reinknien, sagt der Sprecher der Stadt Hameln, Thomas Wahmes. Er erwartet, dass die Fans vor allem bei öffentlichen Trainings im Weserbergland-Stadion in Hameln dabei sein wollen.
Die Equipe Tricolore, wie die französische Nationalmannschaft genannt wird, hat während der WM das Hotelareal mit Swimmingpool, Wellness-Bereich, Seminarräumen und sogar einem Ballsaal für sich allein. Ganz ausgefallene Sonderwünsche der Spieler blieben bislang aus, erzählt der Direktor des Hotels, das vor rund zwei Jahren eröffnet hat. Die sind alle wirklich pflegeleicht. Anders als sonst wird ein eigener Fitness-Raum mit Massageliegen eingerichtet, auch eine Musikbox, Kicker und eine Tischtennisplatte werden angeschafft.
Die Spieler selbst residieren in der Zehntscheune, wo die Zimmer einen Tick weniger elegant und edel eingerichtet sind als im einige Schritte entfernten Schloss. Nach anstrengenden Trainingstagen können die Fußballer in ein komfortables französisches Bett sinken. Die 180 Quadratmeter große Münchhausen-Suite im Schlosshotel bleibe aber prominenten Gästen vorbehalten, meint Direktor Wierig. Der Besuch der französischen Fußball-Idole scheint den Hotelmanager bislang kaum aus der Ruhe zu bringen: Wir machen nichts anders. Auch Bürgermeister Bartels bleibt locker. Ich gebe zu, mein Blutdruck steigt gelegentlich mal, aber ansonsten bin ich ganz gelassen.
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