Dortmund - Chaos in der Abwehr, Ratlosigkeit im Mittelfeld, Flaute im Angriff - mit einer desolaten Vorstellung in allen Mannschaftsteilen ist der 1. FC Kaiserslautern in den engsten Kreis der Abstiegaspiranten zurückgekehrt.
Was wir gezeigt haben, hat mit Bundesliga-Fußball nichts zu tun, gestand Mittelfeldspieler Ervin Skela im Anschluss an das ernüchternde 1:2 (1:1) bei Borussia Dortmund. Von der dank eines verheißungsvollen Zwischenspurts im Februar geweckten Zuversicht ist nach zwei Auswärtsschlappen binnen einer Woche wenig geblieben.
Niemand kam auf die Idee, die unwürdige Vorstellung in Dortmund schön zu reden. Nur die Abschlussschwäche der Borussia und die gute Form von Torhüter Florian Fromlowitz bewahrten die Pfälzer vor einer denkwürdigen Schlappe. Mit den Gegentreffern von Leonardo Dede (24.) und Florian Kringe (64.) waren sie unter den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann bestens bedient. Angreifer Halil Altintop schwante deshalb wenig Gutes: Keiner wusste, was auf dem Platz zu tun ist. Wir waren völlig hilflos. Wenn wir so weiter machen, sieht es für uns nicht gut aus.
Selbst der Freistoß-Treffer von Skela zum zwischenzeitlichen Ausgleich wenige Sekunden vor der Halbzeit konnte Trainer Wolfgang Wolf nicht besänftigen. Noch in der Pause nahm er sich seine Profis lautstark zur Brust: Ich habe sie gefragt: Was ist los? Was spielt ihr da für ein Spiel? Der Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten stimmte den Coach nachdenklich: Im Abstiegskampf müssen wir uns anders präsentieren. Ich dachte, wir hätten das nach unserer Erfolgsserie besser im Griff.
Schon im Heimspiel gegen Mönchengladbach soll sein Team dort anknüpfen, wo es vor den Reisen nach Hamburg (0:3) und Dortmund aufgehört hatte. Auf drei Punkte ist der Abstand zum rettenden Ufer angewachsen, ein Sieg deshalb Pflicht. Man sollte uns noch nicht abschreiben. Wir haben noch acht Endspiele, sagte Wolf trotzig.
Dabei ist allerdings mehr Gegenwehr als in Dortmund nötig. Nichts war zu sehen von den Tugenden, die das Team in zuvor sechs Spielen ohne Niederlage ausgezeichnet hatte. 37:8-Torschüsse, 11:1-Ecken und 33:4-Flanken zu Gunsten der Dortmunder hielt auch BVB-Coach Bert van Marwijk für bemerkenswert. Solch große Leistungsunterschiede sieht man auf einem derart hohen Niveau selten. Wäre das Spiel normal verlaufen, hätte ich zur Halbzeit in der Kabine bleiben können.
Wie so oft versagten seinen jungen Profis vor dem gegnerischen Tor die Nerven. Doch anders als in den vergangenen fünf Spielen konnten sie sich diesmal mit drei Punkten trösten. Der von vielen befürchtete Fall in untere Tabellenregionen blieb deshalb aus, stattdessen rückten die UEFA-Cup-Plätze wieder in greifbare Nähe. Wenn wir nach oben wollen, müssen wir auch einmal auswärts gewinnen, sagte Michael Zorc. Die Mannschaft hat beste Gelegenheit, die Order des Sportdirektors schon bald umzusetzen: Schließlich sieht der Spielplan nun zwei Partien in Hamburg und Mönchengladbach vor.
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