Stuttgart - Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira kann die schlechte Stimmung um die deutsche Mannschaft vor der Fußball-WM nicht verstehen.
Diese Untergangsstimmung überrascht mich, sagte der 63-Jährige in einem Interview mit der Zeitung Welt am Sonntag. Es sei nur weise, dass sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann so einen starken Gegner wie Italien gesucht habe.
Unter Druck setzte Parreira sein Sorgenkind Ronaldo, der bei Real Madrid in der Krise steckt und sich auch noch einen Kleinkrieg mit den Fans liefert. Das ist in der Tat Besorgnis erregend, für uns wie für ihn selbst. Er muss das schnell beiliegen. Es ist für keinen Fußballer gut, wenn er sich zu lange in den Schlagzeilen aufhält. Allerdings habe er, so Parreira, keinen Einfluss darauf. Ich kann nicht zu einem Club gehen und sagen: Hola, lasst Ronaldo spielen und haltet ihn von den Medien fern.
Brasiliens WM-Macher von 1994 relativiert die 1:4-Niederlage der deutschen Auswahl in Italien und sieht darin einen enormen Lerneffekt. Diese Niederlage hat eindeutig etwas Positives: Wenn Fußballer vorgeführt werden, fühlen sie sich in ihrer Ehre verletzt. Der Mensch wächst im Leid über sich hinaus. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede, sagte Parreira. Deutschland wird nun nicht automatisch Weltmeister - das hoffe ich wenigstens - aber die Niederlage ist gut für die Charakterbildung.
Klinsmann, mit dem der WM-Macher von 1994 freundschaftlich verbunden ist, habe bis auf den Confederations Cup im vergangenen Sommer nicht ein Spiel unter Wettkampfbedingungen in der WM-Vorbereitung gehabt. Er hat Italien gebraucht, um zu sehen, wo er mit seiner Mannschaft steht, meinte Parreira. Kritiker, die gegen solche Aufeinandertreffen mit hochkarätigen Gegnern sind, haben wenig Verstand. Parreira selbst ist sehr froh, dass die Brasilianer durch die WM-Qualifikations-Mühle in Südamerika mussten: Dafür danke ich Gott. Das waren 18 Spiele auf Wettkampfniveau.
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