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Klinsmann kritisiert Medien-Welt - tz widerruft | 2006-03-19


München - Rufmord, Rechtsbruch, Widerruf: Die Wogen der Empörung um die Berichterstattung der Münchner Boulevard-Zeitung tz über eine angebliche Verwicklung von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München in den Wettskandal schlagen nach wie vor hoch.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann kündigte am Wochenende in mehreren Interviews den Schutz seiner Nationalspieler vor unverantwortlichen Veröffentlichungen im Vorfeld der Fußball-WM an. Das Münchner Blatt reagierte unterdessen fristgerecht und widerrief in dem am Sonntagabend vorliegenden Andruck der Montagsausgabe seine Behauptungen als unwahr.

Im Auftrag des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern München werden Juristen des Vereins in dieser Woche weiter an den möglicherweise umfangreichen Schadenersatzforderungen gegenüber der tz arbeiten. So lange die tz immer wieder nachlegt, wird das kein Ende kriegen, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß in Premiere und vermutete weitere Sticheleien.

Doch die Zeitung beließ es dabei, die von den Bayern-Anwälten geforderten Auflagen zu erfüllen. Auf der Titelseite widerrief die tz die Behauptungen, Schweinsteiger wäre bei einem Polizeiverhör gewesen oder geladen worden, als unwahr. Auch die Behauptung, Schweinsteiger würde bei der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter geführt, wurde als unwahr widerrufen. Die Behauptungen, die Spieler Paul Agostino und Quido Lanzaat vom TSV 1860 München seien in den Wettskandal verwickelt, wurden ebenfalls zurückgenommen.

In der auf der Titelseite veröffentlichen Gegendarstellung bezeichnete Schweinsteiger die tz-Behauptungen als Lüge: Ich war nicht bei einem Polizeiverhör und bin auch nicht zu einem Polizeiverhör geladen worden. In der Samstagsausgabe hatte sich das Blatt für Fehler in der Berichterstattung entschuldigt.

In einem RTL-Interview sagte Klinsmann über die Person Schweinsteiger: Man betreibt Rufmord an einem Menschen, in diesem Fall an einem Nationalspieler, der im Rampenlicht stehen wird in Richtung dieser Fußball-WM in unserem Lande. Und an anderer Stelle fügte er hinzu: Die Realität ist, dass sich eine Medienwelt entwickelt hat, die nicht mehr auf Information, sondern auf Verkauf aus ist ... Bastian Schweinsteiger ist total unschuldig. Jetzt müssen Zeichen gesetzt werden. Es muss Schluss sein mit dem Unsinn.

Die tz hatte am Freitagabend die Behauptung zurück genommen, die drei Spieler Schweinsteiger sowie zwei Profis von 1860 München würden in der Affäre als Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft München I geführt. Sie seien auch nicht bei der Polizei gewesen, erklärte Chefredakteur Karl Schermann.

Von der Staatsanwalt selbst, die ausdrücklich betonte, nicht zu ermitteln, gab es am Sonntag nichts Neues. Wir werten die Informationen aus. Zu gegebener Zeit werden wir an die Medien heran treten, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der dpa.

Der FC Bayern München bekräftige am Wochenende seine Absicht, umfangreiche juristischen Forderungen durchzusetzen. Rechtsanwälte sollen in dieser Woche die Schäden für den Verein und Spieler formulieren. Der Dampf ist überhaupt nicht raus. Die Vorwürfe bestehen nach wie vor, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Der Schaden für Bayern und den Spieler ist enorm.

Hoeneß hatte am Freitag einen Fünf-Punkte-Katalog vorgestellt, mit dem Verein und Spieler gegen die Berichterstattung vorgehen wollen. Die Schritte umfassen die Aufforderung zur Unterlassungserklärung, einen Widerruf der rechtswidrigen Behauptungen, eine Gegendarstellung sowie einen Strafantrag Schweinsteigers wegen übler Nachrede gegen die redaktionell Verantwortlichen.

Die tz hatte in ihrer Entschuldigung geschrieben: Wir haben nicht behauptet, dass die drei Fußballspieler aktiv an einem Wettskandal beteiligt sind, sondern lediglich darüber berichtet, dass diese Namen im Zusammenhang mit den Ermittlungen auftauchen.

Im laufenden Fußball-Wettskandal - vier Beschuldigte sitzen in Haft - sind nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel neue Zeugen bekannt geworden. Demnach haben zwei Spieler des Regionalligisten Stuttgarter Kickers ausgesagt, dass ihnen ein Fremder Ende Februar zwischen 5000 und 15000 Euro geboten habe, falls sie im folgenden Spiel gegen den VfR Aalen für ein Unentschieden oder für eine Niederlage der eigenen Mannschaft sorgen würden. Die Spieler hätten abgelehnt. Einer von ihnen habe den Anwerbungsversuch am 28. Februar beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt zu Protokoll gegeben. Laut Focus hat der Anwerber nach Angaben der Spieler eine Liste mit sich geführt, auf der die Namen von 20 bis 30 Spielern samt ihrer Telefonnummern standen. Nach Informationen der Bild am Sonntag konnten Fahnder bei den vier Verhafteten 30 Handys und mehrere Computer sicherstellen. Dabei soll auch eine Liste von mehreren hundert Telefonnummern gefunden worden sein.


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