Düsseldorf - Die sportpolitisch bedeutsamste Entscheidung steht offiziell nicht auf der Tagesordnung des XXX. Kongresses der Europäischen Fußball Union (UEFA) in Budapest. Bleibt Lennart Johansson im Präsidentenamt oder weicht er 2007 für einen jüngeren Nachfolger?
Der 76 Jahre alte Schwede macht daraus noch ein Geheimnis, obwohl die einstigen Fußball-Heroen Franz Beckenbauer und Michel Platini zur Kandidatur bereit stehen. Es gibt bestimmte Anzeichen, dass er weiter macht, meinte Beckenbauer. Die Entscheidung wird Johansson selbst treffen, irgendwann wird er sie treffen müssen.
Für den Organisationschef der Weltmeisterschaft in Deutschland wäre die Konstellation für eine erfolgreiche Bewerbung um das UEFA-Spitzenamt optimal. Eine gelungene WM wäre eine exzellente Visitenkarte, die bei seinem Heimspiel beim Wahlkongress am 25./26. Januar 2007 in Düsseldorf die Krönung des Kaisers befördern könnte. Beckenbauer wäre aber auch nicht traurig, wenn Johansson bis 2011 weitermachen wollte. Für mich macht das nichts, es ist nicht mein Lebenselixier. Ich habe nur mal betont, wenn er aufhört, dass ich interessiert bin, sein Nachfolger zu werden, sagte der 60-Jährige, wann auch immer das sein mag.
Deshalb hat zunächst die WM und der deutsche Fußball Priorität: Statt zum Kongress zu reisen, wird Beckenbauer beim Länderspiel Deutschland - USA in Dortmund sein. Dafür werden der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Horst R. Schmidt, und Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), nach Budapest reisen. Seine Teilnahme abgesagt hat DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der nach einer Herzoperation in der Rehabilitation ist und erst Ende März seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen will.
Michel Platini, der drei Mal Europas Fußballer des Jahres war, wird die Gelegenheit in Ungarn nutzen, sich weiter als Johansson-Nachfolger in Position zu bringen. Die Chancen des Franzosen, UEFA-Chef zu werden, stehen trotz seines frühen und folglich von Johansson gerüffelten Vorpreschens im März 2005 nicht schlecht. Im Gegensatz zu Beckenbauer gehört der 50 Jahre alte frühere Nationalspieler nicht nur der UEFA-Exekutive an, sondern sitzt auch im Führungsgremium des Weltverbandes FIFA. Und die Referenz, eine WM mitorganisiert zu haben, hat der Vizepräsident der Endrunde 1998 in Frankreich ebenfalls vorzuweisen.
Abgesehen von dem mit Spannung erwarteten Machtwort von Präsident Johansson, wird es beim Kongress vor allem um die Finanzen der Kontinental-Organisation mit seinen 52 Mitgliedsverbänden gehen. Dabei kann der niederländische Schatzmeister Mathieu Sprengers sicherlich wieder viel Gutes berichten. Schließlich erwirtschaftete die UEFA 2003/2004 1,2 Milliarden Euro und einen Gewinn von 102 Millionen Euro. Auf der vorgeschalteten Exekutivsitzung sollen zudem unter anderem die Ergebnisse einer unabhängigen Analyse des Fußballs in Europa und Vorschläge zur besseren Überprüfung der Aktivitäten von Spielervermittlern beraten werden.
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