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Veh vor ungewisser Zukunft beim VfB | 2006-02-23


Middlesbrough - Nur Lückenbüßer oder doch Langzeitmodell: Armin Veh steht beim VfB Stuttgart vor einer ungewissen Zukunft.

Nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch die hochtrabenden Visionen einiger Clubfunktionäre mit Trainer-Kalibern wie Christoph Daum entscheiden über das sportliche Schicksal des 45-jährigen Coaches beim schwäbischen Fußball-Bundesligisten. Wenn wir wieder in den UEFA-Pokal einziehen, dürfte alles in Butter sein. Aber wenn wir nicht zusammenpassen, dürfte auch das nicht reichen, urteilte Veh und gibt sich damit keinen Illusionen hin.

Der VfB-Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt degradierte Veh einen Tag nach dessen Vorstellung zur Übergangslösung. So schwächte der im Hintergrund die Strippen ziehende Arbeitgeber-Präsident die Stellung des Trapattoni-Nachfolgers. Nicht ohne Hintergedanken: Hundt ist der im Vergleich zum italienischen Weltmann bodenständige und bescheidene Trainer aus der Provinz für den von ihm als Champions-League-Kandidat überschätzen Cannstatter Club mehrere Nummern zu klein. Dem Top-Manager schwebt ein Top-Coach wie Daum vor, unter dem der VfB 1992 seinen letzten deutschen Meistertitel gefeiert hat. So stichelte Hundt sogar auf der VfB-Homepage. Es wäre verkehrt, jetzt schon einen personellen Wechsel auszuschließen, nur weil dieser mit negativen Reaktionen in der Öffentlichkeit behaftet sein könnte.

Veh reagiert auf solche Seitenhiebe gelassen. Er weiß, dass seine Position zu schwach ist, um gegen derartige Provokationen poltern zu können. Durch akribische Arbeit und die Rückkehr zu attraktivem Offensiv-Fußball mit schnellem Kurzpassspiel will er an die VfB- Hochzeit der Jungen Wilden unter seinem Vor-Vor-Vorgänger Felix Magath anknüpfen und so seine Kritiker kontern. Unterstützung findet Veh bei den Profis und beim Teammanager. Ein neuer Mann wird geholt und dann wird gleich gefragt: Was hat das gebracht. Aber das ist Blödsinn. So schnell kann man sich kein Urteil bilden, betonte Nationalspieler Andreas Hinkel und schlug sich auf Vehs Seite. Und Horst Heldt sagte: Wir wollen langfristig mit ihm zusammenarbeiten.

Egal, ob sein Engagement in Stuttgart am 30. Juni endet oder nicht, für Veh öffnet sich auf jeden Fall die Chance, sich in der Beletage des deutschen Fußballs zu etablieren. Bei seiner ersten Bundesliga-Station FC Hansa Rostock (3. Januar 2002 bis 6. Oktober 2003) hatte der gebürtige Augsburger nach zweimaligem Klassenverbleib freiwillig und vorzeitig gekündigt. Ein Fehler und eine Dummheit, wie er jetzt im Nachhinein einräumt. Auch wenn Hundt ihn nur als Sesselwärmer für seinen Wunschkandidaten Daum sieht, kann sich Veh bei der Top-Adresse Stuttgart im Fall einer Nichtverlängerung für andere Erstligisten empfehlen. Zudem ist offen, ob der vehement in die Bundesliga zurückdrängende Daum aus seinem bis Saisonende 2007 gültigen Vertrag bei Fenerbahce Istanbul aussteigen kann.

Mit dem ersten Sieg unter seiner Verantwortung, dem ersten Erfolg seit der Winterpause überhaupt (2:1 gegen Mainz 05) hat Veh beste Eigenwerbung betrieben. Als Tabellensechste hinter den punktgleichen Hannoveranern haben die Schwaben nach etlichen Rückschlagen wieder Perspektiven, wenigstens das Minimalziel UEFA-Cup-Platz zu erreichen.


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