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Klinsmanns WM-Verlierer stehen schon fest | 2006-03-22


Dortmund - In 24 Länderspielen hat Jürgen Klinsmann seit seinem Bundestrainer-Debüt vor knapp zwei Jahren beim 3:1 gegen Österreich fast 40 WM-Kandidaten getestet, aber bei der Nominierung für die Fußball-Weltmeisterschaft kann es nur 23 Gewinner geben.

Das Gros der Glücklichen, die der Bundestrainer am 14. Mai für das Turnier im eigenen Land benennen wird, sind im Einsatz, die meisten Verlierer stehen dagegen längst fest - von Vize-Weltmeister Dietmar Hamann bis zum Abwehrrecken Christian Wörns.

Mit Kahn im Tor, Hinkel, Fahrenhorst, Linke, Lahm in der Abwehr, Borowski, Frings, Ballack, Schweinsteiger im Mittelfeld sowie Asamoah und dem dreifachen Torschützen Kuranyi im Angriff hatte am 18. August 2004 in Wien alles begonnen. Es war ein Spiel mit Signalwirkung: Gleich acht Spieler aus der Startelf sitzen immer noch im WM-Zug - es fehlen bezeichnender Weise drei Abwehrspieler. Vize-Weltmeister Thomas Linke half damals noch einmal in der Not aus, der Bremer Frank Fahrenhorst sitzt längst wieder frustriert zu Hause, der Stuttgarter Andreas Hinkel steckt im Dauer-Formtief. Nur Links-Verteidiger Lahm ist nach langwieriger Verletzungspause rechtzeitig zurückgekehrt.

Dass einer wie Fahrenhorst oder dessen Vereinskollege Frank Baumann von Klinsmann auf dem langen Weg zur WM ausgemustert worden ist, hat die Öffentlichkeit kaum bewegt. So war es auch bei Stürmer Thomas Brdaric (Hannover 96), dem Lauterer Marco Engelhardt oder dem Leverkusener Völler-Liebling Paul Freier, der bis zum USA-Spiel mit 62 Minuten die kürzeste Einsatzzeit aller WM-Probanden aufwies. Spektakulärer war das unglückliche zweite WM-Aus von Sebastian Deisler wegen einer erneuten Knieverletzung. Für Aufsehen sorgte aber auch die Ausbootung von langjährigen Kräften wie Hamann, Wörns oder im weitgehend runderneuerten Betreuerstab von Sepp Maier.

Schon zu Beginn seiner WM-Mission hatte Klinsmann geahnt, dass Problemfälle wie der Rausschmiss des langjährigen Torwarttrainers zu seinen Aufgaben gehören würden. Die schwierigsten Momente für einen Trainer oder sportlich Verantwortlichen wird es immer in Zusammenhang mit Personalentscheidungen geben. Das war zwar Neuland für mich, aber ich wusste, dass solche Aufgaben auf mich zukommen werden.

Er hat sie teilweise schleichend gelöst wie bei Hamann, der nach seinem verletzungsbedingten Ausfall für den Confederations Cup in 73 verkorksten Minuten beim 2:2 gegen die Niederlande zu Beginn der WM-Saison seine Chance verspielte. Der Mittelfeldakteur vom Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Hoffnung zwar nie aufgegeben - eine Last-Minute-Nominierung wäre aber eine Sensation.

Wir haben immer betont, dass wir einen Generationswechsel vollziehen werden, hat Klinsmann gesagt. Hamann, Baumann, Brdaric standen nicht mehr für eine erfolgreiche Gegenwart und Zukunft, der 96er Europameister Markus Babbel schaffte es gerade einmal bis zur Teilnahme an einem der drei Fitnesstests. Auch der 33-jährige Wörns passte nicht mehr in die neue Philosophie. Dem Manndecker alter Schule platzte nach der Nichtnominierung für das Länderspiel gegen Italien der Kragen. Unverschämt und link sei der Bundestrainer mit ihm umgegangen, schimpfte Wörns über die Hinhalterei, worauf Klinsmann seinem ehemaligen Mitspieler die Rote Karte zeigte.

Auch im Betreuerstab sind in den vergangenen 20 Monaten Einige auf der Strecke geblieben. DFB-Direktor Bernd Pfaff musste für den neuen Teammanager Oliver Bierhoff und den Leiter des neuen Büros der Nationalmannschaft, Georg Behlau, weichen. Mediendirektor Gerhard Meier-Röhn verließ den Verband ganz, DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller flog dagegen nur aus dem Trainerstab der Nationalelf.

Am spektakulärsten war die Ablösung von Sepp Maier. Nach 17 Jahren als Bundestorwarttrainer zog der Bundestrainer im Oktober 2004 nur zwei Stunden nach dem 2:0-Sieg gegen den Iran noch in der VIP-Lounge des Teheraner Flughafens Mehrabad einen Schlussstrich. Ich musste die Entscheidung einfach so treffen, weil Sepp mehrfach Partei für Oliver Kahn ergriffen hatte, erläuterte Klinsmann. Der von Anfang an geführte Torwartstreit wird auch zum Schluss auch den größten WM-Verlierer heraus bringen: Er wird Kahn oder Lehmann heißen.


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