Hamburg - Das Favoritensterben gegen die Fußballzwerge bestimmte 2002 die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Asien. Doch ausgerechnet die deutsche Rumpeltruppe um Nationalheld Rudi Völler und Brasilien wahrten ihre Gesichter und dem Turnier den finalen Fußball-Klassiker in Yokohama.
Rudi muss ein Zauberer sein, schwärmte hinterher sogar Franz Beckenbauer. Denn eigentlich war für die deutsche Fachwelt das Ziel der DFB-Auswahl von Beginn an klar: Mit allen Mitteln ein Debakel verhindern. Ein solches erlebten allerdings auch große Fußball-Nationen. Titelverteidiger Frankreich, Argentinien und Portugal konnten bereits nach Vorrunde die Koffer packen. Die Top-Teams scheiterten bereits in den Gruppenspielen an international unerfahrenen Mannschaften wie Senegal, USA oder den Gastgebern Südkorea und Japan. Für Italien war im Achtelfinale Endstation. Eine Runde später platzten die WM-Träume von England und Spanien. Die spielerisch so hochgelobten Niederlande hatten nicht mal die WM-Qualifikation für das Turnier in Asien überstanden.
Die DFB-Elf tankte nach dem 8:0 Auftaktsieg gegen Saudi-Arabien mit drei Treffern von Miroslav Klose genug Selbstvertrauen, um sich im Turnier zu behaupten. Auf dem Weg zum Endspiel gab es lediglich gegen Irland ein Remis, ansonsten erarbeiteten sich die ergebnisorientierte Völler-Truppe drei 1:0-Siege in der K.o.-Runde gegen Paraguay, USA und Südkorea.
Taktische Feinheiten oder technische Leckerbissen blieben beim dreimaligen Weltmeister indes Mangelware. Wunder hatte selbst Rudi Nationale nicht im Repertoire. Das Zentrum des unerwarteten Erfolges war Michael Ballack. Der beste Mittelfeldakteur der WM nährte mit seinen Toren und Vorlagen den Glauben ans Finale. Die Dramaturgie des Turniers wollte es, dass ausgerechnet der deutsche Regisseur im Halbfinale die zweite Gelbe Karte sah und damit automatisch für das Endspiel gesperrt war. Ohne ihn glänzte das Team gegen Brasilien zwar mit seiner attraktivsten Vorstellung bei der WM, aber ein Patzer des bis dahin überragenden Torwarts Oliver Kahn besiegelte die 0:2-Niederlage gegen die Südamerikaner. Das war mein einziger Fehler im Turnier, und der wird bestraft. Das ist zehnfach bitter, ärgerte sich Deutschlands Kapitän, der anschließend als bester Spieler des Turniers geehrt wurde.
Außer WM-Torjäger Ronaldo (8 Tore), der den fünften WM-Titel mit zwei Endspiel-Treffern nach Südamerika holte, war es nicht die WM der großen Stars. Fußballerisch setzten sich die taktisch straff organisierten und zuvor als Fußballzwerge belächelten Teams durch. Folglich gewann die Türkei - seit 1954 erstmals wieder in der Endrunde - das kleine Finale gegen die unermüdlichen Dauerläufer aus Südkorea, die der Niederländer Guus Hiddink betreute.
Am dramatischsten war der Niedergang der Grande Nation um Top-Star Zinedine Zidane. Kein Tor in der Vorrunde, nur ein magerer Punkt und der letzte Tabellenplatz in Gruppe A stürzte die zuletzt dominierende Equipe Tricolore vom Olymp mitten ins Chaos. Frankreichs Trainer Roger Lemerre musste abdanken, der Schock blieb.
Erfolgreich endete dagegen das Experiment die Veranstaltung in zwei Ländern auszutragen. Nach Milliarden-Investitionen der Gastgeber in 20 moderne Fußballstadien, erlebte die Welt eine euphorische WM, die vor allem eins blieb: Friedlich. Der Schatten des 11. September 2001, als Terroristen zwei Verkehrsflugzeuge in die New Yorker World-Trade-Towers lenkten, wurde durch aufwändige Sicherheitsmaßnahmen verdrängt. Ein im Vorfeld diskutierter Ausfall des Turniers war schnell vom Tisch.
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