Brüssel - Der Skandal um Bestechung und manipulierte Spiele in der ersten belgischen Fußball-Liga ist möglicherweise größer als bisher angenommen. Die Ermittler vermuten, dass bei mindestens 17 Spielen das Ergebnis gefälscht worden sein könnte, berichteten belgische Medien.
Ein Experte für Fußballwetten legte der Staatsanwaltschaft eine Liste von 17 Spielen vor, bei denen Einsätze und Quoten so deutlich von den Normalwerten abwichen, dass der Verdacht auf Manipulationen begründet sei. An der Hälfte der Spiele war der Verein Lierse SK beteiligt, an sechs weiteren der Club La Louviere. Beide Vereine stehen im Zentrum des Fußballskandals.
Der Verein Excelsior Mouscron hatte seinen zum Jahresanfang angestellten Trainer Paul Put entlassen, teilte Finanzdirektor Francis DHaese mit. Put hatte zuvor eingestanden, als Trainer des Vereins Lierse SK an mehreren Spielmanipulationen mitgewirkt zu haben. Allerdings hatte er beteuert, sich nicht selbst bereichert, sondern das Geld unter den beteiligten Spielern aufgeteilt zu haben.
Die belgische Zeitung La Derniere Heure berichtete, der Chinese Ye Zehun, der als Schlüsselfigur des Skandals gilt, habe Spieler des Lierse SK mit Enthüllungen über deren Sexualleben unter Druck gesetzt. Zehun, der Zehntausende von Euro für Spielabsprachen ausgegeben haben und damit der chinesischen Mafia erhebliche Wettgewinne verschafft haben soll, habe auf einem Schiff in Antwerpen Sexpartys für die Spieler veranstaltet. Später habe er die Kicker - auch einige von anderen Vereinen - unter anderem mit der Drohung, den Ehefrauen kompromittierende Bilder zu zeigen, unter Druck gesetzt.
Der Erstligist RSC Anderlecht hatte sich von dem Verteidiger Laurent Delorge und dem Mittelfeldspieler Marius Mitu getrennt. Die beiden Spieler, die zuvor beim Lierse SK beschäftigt waren, hätten Handlungen, die mit der sportlichen Ethik nicht vereinbar waren, zugegeben. Während der Zeit beim RSC Anderlecht hätten sie sich allerdings nichts zu Schulden kommen lassen. Anderlecht hat nach Mitteilung von Manager Herman Van Holsbeeck dem Manager seines Torwarts Silvio Proto Hausverbot erteilt. Dieser, Pietro Allata, sei persona non grata, sagte Van Holsbeeck, ohne Näheres mitzuteilen.
Bereits zuvor hatte Lierse SK zwei Profis und einen Assistenztrainer zunächst suspendiert und dann entlassen. Die belgische Kreditbank Krefima zog sich mittlerweile als Sponsor von Lierse SK zurück. Lierse ist derzeit Schlusslicht der Tabelle.
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