Augsburg - Noch fehlen der Nationalmannschaft ein paar Punkte zum EM-Ticket, aber bei den organisatorischen Planungen für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schon am Ziel.
Es ist fast alles in trockenen Tüchern, berichteten DFB-Direktor Wolfgang Niersbach und Team-Manager Oliver Bierhoff bei der Veranstaltung DFB live in Augsburg. Wir sind so selbstbewusst zu sagen: Wir schaffen die Qualifikation, verkündete Bundestrainer Joachim Löw vor dem Start ins EM-Jahr. Löw will junge Spieler wie Mario Gomez oder Bastian Schweinsteiger noch mehr in die Pflicht nehmen, zugleich erwartet er eine spannende Bundesligasaison, auch wenn in der Frage nach dem Meister 2008 alles für Bayern München spricht.
Ob Trainingslager oder EM-Quartier - bis auf die Unterschriften unter die Verträge steht intern der DFB-Fahrplan für den anvisierten Titelgewinn 2008. Der Start erfolgt nur zwei Tage nach dem letzten Bundesligaspieltag am 19. Mai mit einem zehntägigen Trainingslager in südlichen Gefilden, so Niersbach. Das genaue Ziel verriet er nicht - es geht aber wohl nach Südfrankreich oder Mallorca.
Fünf Tage vor dem ersten Gruppenspiel, das spätestens am 10. Juni 2008 stattfindet, erfolgt der Einzug ins EM-Quartier. Im Grunde ist dieses schon fix, sagte Niersbach. Offen ist noch, ob die Zeit in der Vorbreitung für drei oder nur zwei Test-Länderspiele ausreicht. Auch das kann endgültig erst nach der Auslosung der EM-Gruppen am 2. Dezember in Luzern entschieden werden.
Sportlich sieht Löw noch viel Arbeit vor der Nationalelf, die wieder Richtung Weltspitze gerückt ist. Taktisch, individuell und beim Spieltempo müssten weitere Fortschritte erfolgen, um eine gute Rolle bei der EM zu spielen. Ausfälle von wichtigen Akteuren wie aktuell Torsten Frings beim ersten Länderspiel des EM-Jahres am 22. August in England nimmt Löw zum Anlass, die jungen Akteure noch mehr zu fordern. Wir dürfen nicht jammern, wenn Führungsspieler wie Frings verletzt sind. Da müssen wir andere Lösungen finden und die jungen Spieler noch mehr in die Verantwortung nehmen.
Ein Aufsteiger wie der Stuttgarter Mario Gomez, der klasse eingeschlagen hat bei uns, müsse die Leistungen der vergangenen Saison nun bestätigen. Als großer Spieler braucht man Konstanz. Die gewachsene Konkurrenz für Schweinsteiger und Lukas Podolski beim FC Bayern betrachtet Löw gelassen: Wenn jemand in einer Saison 30 bis 35 Einsätze auf hohem Niveau hat, ist das hervorragend. Schweinsteiger harmoniere im übrigen gut mit dem neuen Bayern-Star Franck Ribéry, hat Löw bei den Ligapokalspielen festgestellt. Und Podolski traue ich zu, dass er einen Schritt nach vorne macht.
Bei der Persönlichkeitsentwicklung der Nationalspieler will Teammanager Bierhoff mit so genannten Kamingesprächen neue Wege beschreiten. Die Spieler sollen Persönlichkeiten einladen, mit denen sie sich gerne einmal unterhalten wollen.
Auch wenn Bayern Bundesliga-Topfavorit ist, erwartet Löw eine interessante und spannende Saison. Schalke, Bremen und Titelverteidiger Stuttgart würden ein Wort im Meisterschaftskampf mitsprechen, eventuell auch Leverkusen oder der HSV. Besonders gefreut hat den DFB-Chefcoach, dass einige Clubs ihre Trainerstäbe erweitert haben: Das ist wichtig für die Entwicklung der Teams.
In einer sehr guten Position sieht sich der DFB bei der Bewerbung um die Frauen-WM 2011. Nach der Schweiz scheint auch Frankreich vor dem Rückzug seiner Kandidatur zu stehen. Wenn wir einziger Kandidat aus Europa sind, sind die Chancen sicher gut, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Kanada, Australien und Peru wären die verbliebenen Konkurrenten bei der Entscheidung der FIFA-Exekutive am 30. Oktober.
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