Frankfurt/Main - Nach einem Gipfeltreffen der gesamten sportlichen Leitung der deutschen Nationalelf haben Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer einen gemeinsamen WM-Frieden verkündet.
In dem 90-minütigen Treffen legten der Fußball-Bundestrainer und der neue DFB-Sportdirektor in München ihre Meinungsverschiedenheiten bei, hieß es in der offiziellen Erklärung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nach Klinsmanns Enttäuschung und Kritik an der Entscheidung des DFB-Präsidiums, nicht den von ihm favorisierten Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, sondern Sammer zum Sportdirektor zu machen, hatte vor allem Verbandschef Theo Zwanziger an einer schnellen Lösung des Konflikts gearbeitet. Die WM-Mission von Klinsmann und seiner Mannschaft soll auf keinen Fall gefährdet werden.
Matthias wird von uns in seinem neuen Job selbstverständlich volle Unterstützung erhalten, versprach Klinsmann für die kommenden Monate und fügte an: Aufgetretene Missverständnisse wurden offen angesprochen, alle Meinungsverschiedenheiten sind beseitigt. Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit. Zuvor hatte Zwanziger ausgeschlossen, dass Sammer eine mögliche Nachfolge von Klinsmann nach der WM antritt und damit das befürchtete Thema Schatten-Bundestrainer beendet. Bis zu der am 9. Juni beginnenden Weltmeisterschaft werden sich Sammer, der seinen Job am 1. April antritt, und Klinsmann in ihren Aufgaben ohnehin kaum begegnen.
Mit dem kurzfristig arrangierten Treffen wurden vor allem erst einmal die öffentlichen Wogen geglättet. Das Gespräch, das vor dem Champions-League-Spiel FC Bayern München - AC Mailand in der Isar-Metropole auf Initiative des Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger zu Stande gekommen war, habe in in sachlicher und konstruktiver Atmosphäre stattgefunden, teilte der DFB mit. Ich denke, dass nach turbulenten Tagen und einer vorübergehend etwas schwierigen Phase jetzt wieder Ruhe einkehrt. Für eine konzentrierte WM-Vorbereitung und ein gutes WM-Ergebnis ist das sicherlich sehr, sehr wichtig, sagte Zwanziger zufrieden. Und: Alle Gesprächspartner haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie in erster Linie am Erfolg des deutschen Fußballs interessiert sind.
Neben Klinsmann und Sammer hatten auch Assistent Joachim Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff teilgenommen. Es seien die aktuellen Entwicklungen der vergangenen Wochen thematisiert worden, heißt es in der Verbands-Erklärung weiter. Ich habe immer gesagt, dass wir alles klären werden, wenn wir uns mal in Ruhe unterhalten können. Unser Ziel ist es, gemeinsam dem deutschen Fußball für seine weitere Entwicklung positive Impulse zu vermitteln, urteilte Sammer nach der Unterredung. Klinsmann hatte sich vor allem an der öffentlichen Bewerbung des ehemaligen Bundesliga-Trainers über TV und Presse gestoßen.
Jetzt zog auch Bierhoff ein positives Fazit der Annäherung: Es bestehen nach diesem Gespräch keine Zweifel, dass die Basis für eine vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit im neuen sportlichen Leitungsgremium des DFB vorhanden ist. Jeder geht mit viel Elan in seinem Verantwortungsbereich an die vor uns liegenden Aufgaben. Inwieweit der DFB-Zuschlag für Sammer die Entscheidung Klinsmanns mit beeinflusst, nach der WM als Bundestrainer weiter zu machen, bleibt aber weiterhin offen.
Derweil kündigte Klinsmann-Assistent Löw im Berliner Tagesspiegel an, dass der Trainerstab im Vorfeld des Italien-Länderspiels am 1. März mit den Torhütern Oliver Kahn und Jens Lehmann beraten werde, wann die Entscheidung fallen solle, wer bei der WM die Nummer 1 ist und wann sie bekannt gegeben werden soll.
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