Düsseldorf - Beim 1. FC Köln herrscht schon vor Aschermittwoch Katerstimmung. Ausgerechnet zum Auftakt des Karnevalwochenendes leistete sich das Bundesliga-Schlusslicht einen Offenbarungseid.
Anders als in den vergangenen Wochen waren beim ernüchternden 0:3 im Derby gegen Bayer Leverkusen Auflösungs- Erscheinungen erkennbar. Angesichts der hilflosen Vorstellung verging selbst den größten Optimisten der Glaube an ein Fußball-Wunder. Bei nunmehr sechs Punkten Abstand zum rettenden Ufer und einer Serie von 18 Spielen ohne Sieg ist der Abstieg nahezu besiegelt. Erstmals seit seinem Amtsantritt wirkte FC-Coach Hanspeter Latour resigniert: Mit solchen Auftritten hat man keine Chance. Einige brechen fast zusammen.
Damit dürften die Kölner bereits am 23. Spieltag für die zweite Vorentscheidung der Saison gesorgt haben. Sowohl der vierte Bundesliga-Abstieg des Traditionsclubs als auch die 20. Meisterschaft des FC Bayern München gilt als sicher. Beim sehenswerten 5:2-Erfolg über Eintracht Frankfurt schoss sich der Tabellenführer den Frust über das 1:1 in der Champions League gegen den AC Mailand von der Seele und stimmte sich für den anstehenden Bundesliga-Gipfel gegen den HSV ein. Beim Torfestival nutzte Paolo Guerrero die Gunst der Stunde: Während Roy Makaay auf der Auswechselbank schmorte, empfahl sich der ins Team gerückte Peruaner als zweifacher Torschütze für weitere Einsätze.
Das Warten der Konkurrenz auf eine Schwächeperiode der Bayern geht damit weiter. Zumindest wuchs der Neun-Punkte-Vorsprung der Bayern auf Werder Bremen vor dem Länderspiel der DFB-Elf in Italien nicht weiter an: Mit einem mühelosen 2:0 über Borussia Mönchengladbach erfüllte die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf nach der Gala gegen Juventus Turin die Alltags-Pflicht. Der K&K-Sturm mit den Torschützen Miroslav Klose und Ivan Klasnic ebnete den Weg.
Der FC Schalke wahrte seine Chance auf eine Rückkehr in die Champions League. Beim 2:0 über Nürnberg glückte der fünfte Pflichtspielsieg hintereinander. Nur 40 Stunden nach dem 3:0 im UEFA-Cup bei Espanyol Barcelona benötigte der müde Tabellen-Vierte allerdings die Schützenhilfe der Gäste, ehe Kevin Kuranyi und Lincoln in der zweiten Halbzeit trafen. Ich hatte schon Sorge, dass nach den Strapazen die Frische fehlen könnte, bekannte Trainer Mirko Slomka.
Neben Schalke avancierte der 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen Wochen zur Mannschaft der Stunde. Nur zwölf Punkte standen am Ende Hinrunde zu Buche, schon elf Zähler sind es nach sechs Spielen in der Rückrunde. Mit dem 2:0 beim FSV Mainz feierten die Pfälzer den dritten Sieg in Serie und verließen erstmals seit dem 10. Spieltag die Abstiegsplätze. Aufkommende Euphorie erstickte Trainer Wolfgang Wolf im Keim: Wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch nichts erreicht. Den 16. Tabellenplatz des Gegners übernahmen die Mainzer. Zum Leidwesen von Coach Jürgen Klopp: Das ist ein negativer Höhepunkt und eine miese Situation.
Sein Wolfsburger Kollege Klaus Augenthaler wird den Spieltag in besserer Erinnerung behalten. Dank des 2:1-Erfolgs im Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 verschafften sich die Wölfe Luft im Abstiegskampf. Jetzt können wir in Ruhe arbeiten, um einige haarsträubende Fehler abzustellen, sagte Augenthaler. Immerhin kam das 2:1 gegen eine zuvor elf Mal unbesiegte Mannschaft zu Stande.
Bemerkenswert bleibt die Dominanz der Teams auf den Rängen eins bis vier. Zwischen Schalke und dem Fünften aus Leverkusen klafft die große Kluft von 14 Punkten. Zumindest der Kampf um den letzten UEFA-Cup-Platz verspricht spannend zu werden. Selbst der BVB kann sich als Zehnter bei zwei Zählern Rückstand auf Leverkusen noch Hoffnungen machen. Beim 0:1 in Bielefeld stellte das junge Team jedoch einmal mehr fehlende Reife unter Beweis.
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