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WM-Tickets: Ein Urteil könnte das System kippen | 2006-02-27


Frankfurt/Main - Die noch freien Tickets werden immer weniger - die Sorgen des WM-Organisationskomitees dagegen eher noch größer. 2,6 Millionen der mittlerweile 3 070 000 Karten sind bereits verkauft.

Doch das am 20. April mit großer Spannung erwartete Urteil des Frankfurter Amtsgerichts könnte das System mit den personalisierten Billets für die Fußball-WM noch einmal kippen. Sollte der Klage eines Fans aus Essen stattgegeben werden, könnten die Karten entgegen der eigentlichen Sicherheitsvorkehrungen ohne Erlaubnis oder Zustimmung des OK verkauft und getauscht werden.

Franz Beckenbauer hatte es frühzeitig geahnt. Das Thema wird uns bis zum 9. Juli begleiten, wenn der Schiedsrichter das Endspiel anpfeift, hatte der Präsident des WM-Organisationskomitees bereits vor über einem Jahr vorausgesagt. Es folgten Beschwerden von Verbraucherschützern, Einwände von Politikern, Manipulationsversuche bei der Auslosung, Gerichtsentscheidungen und teilweise heftige verbale Querschüsse.

Doch der Reihe nach. Kurz nach Mitternacht des 1. Februars 2005 ging über die Internetadresse (www.FIFAworldcup.com) die erste von mittlerweile 14,7 Millionen Bestellungen alleine aus Deutschland ein. Zwei Monate dauerte Auftakt-Bestellphase. 812 000 Tickets standen zur Verfügung und wurden am 15. April zugelost. Allerdings sorgten Manipulationsversuche in gehörigem Ausmaß für Aufsehen. 2,3 Millionen Bestellungen, die aus den USA kamen, lehnte das OK ab. 208 455 Fans aus aller Welt durften sich anschließend freuen, Inhaber eines der begehrten Billets zu sein.

Doch kaum waren die ersten Bescheide an den Fan gebracht, wurden die Karten im Internet gehandelt. Das OK warnte vehement vor einem möglichen Schwarzmarkt und wies immer wieder daraufhin, dass die Tickets nicht einfach zu übertragen seien. Genau dies will nun der Mann aus Essen vom Amtsgericht in Frankfurt/Main, wo sowohl das WM-OK und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ihren Sitz haben, prüfen lassen.

Bekommt er in diesem Präzedenzfall Recht, steht das OK vor einem Problem. Nicht mehr notwendig wäre dann die vom 20. März an geöffnete Tauschbörse. Denn die vom OK in den Geschäftsbedingungen festgeschriebene Personalisierung der Tickets, damit Gewalttätern der Stadioneintritt erheblich erschwert wird, würde eventuell wegfallen. Wir müssen und werden weiterhin alles unternehmen, um den Schwarzmarkt so weit als möglich einzudämmen. Dabei hoffen und setzen wir auch auf die Bestätigung durch das Gericht, gibt sich OK- Vizepräsident Horst R. Schmidt aber weiter optimistisch.

Juristische Auseinandersetzungen wegen der Tickets sind dem OK nicht fremd. Vor allem das für die Fans eigens eingerichtete Optionsprogramm, bei dem sich Interessenten ein Vorkaufsrecht auf rückläufige Karten sichern konnten, sorgte für Wirbel. Zweifel an einigen Passagen aus dem Options-Ticketprogramms hatte das Frankfurter Landgericht geäußert, auf die von den Verbraucherschützern geforderte Einstweilige Verfügung aber verzichtet.

Nach einem kaiserlichen Donnerwetter - das, was wir am wenigsten brauchen, sind Querschüsse und vor allem Tagediebe, die uns den Tag stehlen - einigten sich das OK und der Bundesverband Verbraucherzentrale außergerichtlich. Das OK rechnete daraufhin eine vermeintliche Einbuße von 700 000 Euro hoch.

Unsere Philosophie ist, eine Weltmeisterschaft zu organisieren, die jeder sehen kann, sagt Beckenbauer. Für einige dürfte sich der Traum noch erfüllen, die Hauptakteure der Titelkämpfe vom 9. Juni bis 9. Juli in einem der zwölf WM-Stadien zu erleben. Am 1. Mai beginnt die 5. und letzte Ticketverkaufshase, die mit dem Finale in Berlin endet. Vom 15. Mai an können an ausgewählten Verkaufsstellen in den zwölf Austragungsstätten Karten gekauft werden.

Freuen dürfen sich die Fußball-Anhänger dabei, dass bis dato insgesamt rund 140 000 Tickets mehr zur Verfügung stehen als bisher. Dieses Plus ergab sich durch die weitere Fertigstellung der Stadienpläne sowie aus Tickets, die von Nationalverbänden an das OK zurück gingen.


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