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Verletzter Totti: Geist über den Azzurri | 2006-02-27


Florenz - Gar nicht da und doch allgegenwärtig: Wie ein Geist schwebt Francesco Totti über der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Was sind die Azzurri noch ohne ihren verletzten Kapitän wert, fragen sich die besorgten Tifosi.

Der Römer ist Kopf des Teams, Spielmacher und Antreiber. In Florenz wird er nach seinem Wadenbeinbruch vor zwei Wochen im Meisterschafts-Spiel gegen Empoli fehlen. Und nur die größten Optimisten glauben noch an ein Comeback des 29-jährigen bei der WM in Deutschland, auch wenn Nationaltrainer Marcello Lippi noch am Krankenbett des Superstars verkündete: Wir warten auf Dich!

Erst in rund drei Monaten wird Totti wieder spielen können, sagte Professor Pierpaolo Mariani, der den 15-maligen Serie A- Torschützen operiert hat. Ob das für die Weltmeisterschaft reicht, bleibt ungewiss. Das gebrochene Wadenbein wurde mit einer Platte und acht Schrauben gerichtet, die Bänderverletzung am Knöchel behoben. Ich will unbedingt zur WM nach Deutschland, betont Totti.

Richard Vanigli hatte den Römer von hinten brutal gefoult. Mit Tränen in den Augen entschuldigte sich der Abwehrspieler. Vanigli weiß genau: Sollte Italien wegen eines fehlenden oder nicht vollständig wiederhergestellten Totti in Deutschland versagen, ist er der erste Sündenbock.

Der Gemütszustand des Rekonvaleszenten ist zur nationalen Angelegenheit geworden. Die Gazzetta dello Sport forderte ihre Leser auf, Totti aufheiternde Briefe zu senden. Innerhalb von 48 Stunden gingen weit mehr als 2000 Genesungs-Wünsche ein. Dutzende Prominente besuchten den Star im Krankenhaus. Sogar Ministerpräsident Silvio Berlusconi kam zum Krankenbesuch. Mir gehts schon viel besser, bedankte sich Totti, der schon wieder beim römischen Derby auf der Tribüne saß und danach nach San Remo fuhr. Seine Frau Ilary moderiert dort das berühmte Schlager-Festival.

Totti lenkt sich ab, vergisst darüber aber nicht die absolute Priorität - das Reha-Training. Totti will unbedingt fit werden und seine WM-Position nicht an Juventus Turins Kapitän Alessandro del Piero verlieren. Die WM in Deutschland sollte endlich seine WM werden.

Im Nationaltrikot war Totti bisher meist der tragische Helden und Pechvogel: 2000 wurde er in den Niederlanden und Belgien mit den Azzurri Vize-Europameister - das zählt in Italien aber nichts. Was hängen blieb, war die Niederlage im Finale gegen Frankreich. Bei der WM 2002 kassierte Totti bei der 1:2-Niederlage in der Verlängerung des Achtelfinals gegen Südkorea eine Gelb-Rote Karte und schwächte damit sein Team entscheidend. Bei der EM 2004 in Portugal schließlich wurde er nach einer Spuck-Attacke gegen den Dänen Christian Poulsen schon nach dem ersten Gruppenspiel für drei Spiele gesperrt. Und ohne ihren Spielmacher schieden die Azzurri blamabel in der Vorrunde aus.


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