Hannover - Der befürchtete Einbruch blieb aus: Die Urlaubslaune der Bundesbürger war vielfach doch größer als das Fußballfieber. Die Reiseveranstalter melden zur Fußball-Weltmeisterschaft im Juni inzwischen fast ausgebuchte Ferienflieger und Hotels.
Dabei gilt der Juni generell als einer der schwächeren Monate der Sommersaison. Und auch im eigenen Land machen die Anbieter in den Fußballstädten gute Geschäfte. Für 2006 hatten die Tourismusexperten zunächst bei zögerlich anlaufender Wintersaison durch die Fußball-WM noch ein zusätzliches Risiko im Sommer befürchtet. Erst sorgten Anschläge in wichtigen Winterzielen wie Ägypten für Buchungszurückhaltung bei den Urlaubern und die Vogelgrippe für Verunsicherung. Und dann fanden Markt- und Meinungsforscher in Umfragen noch heraus, dass viele Fans wegen der Fußball-WM wohl auf dem heimischen Sofa bleiben wollten, statt an die Ferne zu schweifen. Doch es kam anders. Das sportliche Großereignis zeigt sich keineswegs als Urlaubsbremse.
Zum Ansturm auf die Ferienangebote dürften dabei auch zahlreiche Rabatte und Sonderangebote beigetragen haben, die die Veranstalter wegen der erwarteten Buchungsflaute aufgelegt hatten. Die Mischung aus attraktiven Preisen und Rundumversorgung für Fußballfans gab nach Ansicht von Beobachtern oft den Ausschlag.
Beim Branchenprimus TUI heißt es: Wer jetzt noch buchen will, muss sich ranhalten. Vor allem die Angebote aus dem Sonderkatalog Urlaub mit Kick seien besonders beliebt. Darin wirbt die TUI mit Spezialangeboten und Zusatzleistungen, wie etwa Übertragung der Spiele auf Großleinwand am Pool, mit Barbecue unter Palmen, Freibier und Torwandschießen. Aber auch für Fußball-Muffel gibt es Vorschläge, etwa Wellness-Specials zu besonders günstigen Preisen.
Die TUI hatte sich ebenso wie ihre Wettbewerber auf möglichst viele unterschiedliche Urlauberwünsche zur Fußball-WM eingerichtet und verschiedene Szenarien durchgespielt. Jetzt sei man sehr zufrieden mit der Buchungslage, sagte ein Sprecher - ohne jedoch Zahlen zu nennen.
Einen enormen Gästezuwachs im Geschäft mit den Fußball-Urlaubern meldet die Nummer zwei der Branche. Der Hauptveranstalter von Thomas Cook, Neckermann Reisen, verbuchte für Juni einen Gästezuwachs von 25 Prozent. Die WM-Angebote kommen gut an, heißt es dort. Im Cook- Konzern, der zu Lufthansa und KarstadtQuelle gehört, liegen die Buchungen für den Sommer insgesamt derzeit knapp zwölf Prozent über dem Vorjahreswert. In der Sommersaison (April bis Oktober) erlösen die meisten Veranstalter rund drei Viertel ihres Umsatzes.
Der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter Rewe Touristik registriert ebenfalls eine starke Nachfrage für die WM-Zeit. Der Juni ist überraschend gut gebucht, sagte kürzlich eine Sprecherin der REWE-Pauschaltouristik, zu der unter anderen die Marken ITS Reisen, Jahn Reisen und Tjaereborg gehören. Dort gab es aber noch keine Engpässe.
Aber auch in den deutschen Städten, wo die Spiele laufen, verdienen die Reiseveranstalter gutes Geld. Bei der TUI heißt es, mit den Buchungen aus dem Katalog Deutsche Städte im Fußballfieber sei man mehr als zufrieden. In allen Spielstädten werden die Kapazitäten an freien Hotelzimmern knapp. Vor allem München, Berlin und Hamburg seien Top-Favoriten. Auch rundum organisierte Reisen seien stark gefragt - obwohl die Reiseveranstalter keine Ticket-Kontingente haben.
Neckermann hatte schon im vorigen Frühjahr einen Sonderkatalog zur WM aufgelegt. Die eigenen Erwartungen an die Gästezahlen seien weit übertroffen worden, hieß es dort. Die Abteilung Städtereisen konnte ihre Buchungseingänge für Juni bis Juli sogar verdoppeln. Und noch immer gingen aus aller Welt Anfragen ein, berichten die Veranstalter.
Insgesamt kann sich der Tourismus auf die WM freuen, sagte kürzlich Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Denn das Event werde viele zusätzliche Reisen auslösen und zugleich aber die Urlaubsnachfrage der Deutschen ins Ausland nicht dämpfen. Wie groß die sportliche Völkerwanderung tatsächlich sein wird, bleibt aber abzuwarten.
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