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Real nach Pérez-Rücktritt weiter in Aufruhe | 2006-03-01


Madrid - Real Madrid kommt nach dem Rücktritt von Vereinspräsident Florentino Pérez nicht zur Ruhe. Die Ernennung des Pérez-Vertrauten Fernando Martín zum neuen Clubchef spaltete die Führung des spanischen Fußball-Rekordmeisters in zwei Lager.

Ein Teil der Vorstandsmitglieder stellte sich hinter den neuen Präsidenten, andere Vereinsführer forderten Neuwahlen. Das Vernünftigste wäre, die Mitglieder in einer Neuwahl über den Nachfolger von Florentino (Pérez) entscheiden zu lassen, meinte Vizepräsident Fernando Fernández Tapias.

Nach einer Umfrage des Sportblatts Marca schlossen sich 82 Prozent der Real-Anhänger dieser Forderung an. Mehrere Vorstandsmitglieder fühlten sich von Pérez überrumpelt, der den neuen Clubchef quasi per Fingerzeig nominiert hatte. Die Vereinsoberen waren vom Rücktritt ihres Clubchefs derart überrascht worden, dass es ihnen auf der Krisensitzung sprichwörtlich die Sprache verschlug und sich kaum jemand zu Wort meldete.

Pérez wollte mit seinem Rücktritt den Verein aufrütteln, aber er bewirkt nur eine weitere Zerrüttung, befürchtet Marca. Das Amt des Real-Präsidenten ist in Spanien mit einem sehr hohen Ansehen verbunden, so dass es schon bald ein Gerangel um den Posten geben dürfte. Dem zweimaligen Rallye-Weltmeister Carlos Sainz werden in der Presse bereits Ambitionen nachgesagt.

Es brodelt bei Real nicht nur in der Vereinsführung, sondern auch in der Mannschaft. Die Superstars um Ronaldo, Zinedine Zidane und David Beckham stehen nun als diejenigen da, die für den Pérez- Rücktritt und die sportliche Misere der Königlichen verantwortlich sind. Beim Training mussten sich die Real-Kicker von ihren Fans als Geldsäcke und Schürzenjäger beschimpfen lassen. Sollte Real auch noch das Lokalderby gegen Atlético Madrid verlieren, steht die große Abrechnung bevor.

Selbst der von den Real-Fans verehrte Raúl geriet in die Kritik. Der Kapitän hatte sich darüber beschwert, dass Pérez die Starkicker als schlecht erzogen bezeichnet hatte: Da hätte der Präsident schon Namen nennen müssen. Das Sportblatt As meinte dagegen: Raúl sollte lieber die Klappe halten. Aber er wollte derjenige sein, der am weitesten pinkelt.

Unverhohlene Schadenfreude herrscht dagegen in Barcelona. Das dortige Sportblatt El Mundo Deportivo titelte: Chaos in Madrid - Real bricht zusammen. Das Konkurrenzblatt Sport schrieb über die Fotos von Zidane, Ronaldo und Roberto Carlos mit großen Lettern: Jetzt fliegen sie alle raus!


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