Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat sich im Sommer 2004 von dem damaligen Manager Reiner Calmund wegen dubioser Zahlungen in Höhe von 580 000 Euro an den Spielerberater Volker Graul getrennt.
Ein entsprechender Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurde vom Fußball-Bundesligisten bestätigt. Ex-Manager Calmund wies die Anschuldigungen zurück. Man möchte mich demontieren. Es gab schon einmal Spiegel-Vorwürfe, ich hätte Millionen aus einem Kroatien-Transfer abgezweigt. Die Geschichte stimmte nicht, die neuen Vorwürfe sind ebenfalls falsch, sagte er in einem Interview des in Köln erscheinenden Express.
In einer Mitteilung des Fußball-Clubs hieß es, die tatsächlichen Hintergründe des Vorgangs konnten für Bayer nicht schlüssig aufgeklärt werden. Die Überprüfungen führten letztendlich zur unverzüglichen Trennung von Reiner Calmund durch den Gesellschafterausschuss von Bayer 04 Leverkusen. Der Ex- Geschäftsführer hatte für seinen unerwarteten Rückzug vor knapp zwei Jahren gesundheitliche Gründe angegeben. Zur Vermeidung einer öffentlichen Auseinandersetzung wurde die im Bayer-Konzern übliche Abfindungsregelung angewandt, begründete die Bayer AG das Verschweigen des wahren Trennungsgrundes.
Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bestritt, schon damals von den Zahlungen gewusst zu haben. Ich kann definitiv nicht feststellen, dass sich Reiner Calmund persönlich bereichert hat, sagte Holzhäuser. Er stellte in diesem Zusammenhang klar, dass es ein Ermittlungsverfahren gegen Graul, nicht aber gegen Calmund gebe.
Calmund und ein Bayer-Mitarbeiter hatten zwischen dem 3. und 17. Juni 2003 drei Schecks über 50 000, 150 000 sowie 380 000 Euro ausgestellt und bei der Sparkasse Leverkusen eingelöst, hieß es in der Bayer-Mitteilung. Das Bargeld habe Calmund anschließend dem Gütersloher Vermittler Graul ausgehändigt. Erst zehn Monate später, am 22. April 2004, habe Graul bei Bayer 04 eine Rechnung über diese Summe für die Vermittlung einer Kaufoption an die beiden U21- Nationalspieler Delebasic (Partizan Belgrad) und Srna (Hajduk Split) eingereicht. Beide Spieler wurden in dieser Zeit und auch noch danach tatsächlich von der Bayer 04-Scoutingabteilung beobachtet, bestätigte der Verein. Belege für die in Rechnung aufgeführten Kaufoptionen konnten nicht nachgewiesen werden.
Wegen dieser undurchsichtigen Geschäfte ermitteln laut Spiegel inzwischen die Bielefelder Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei gegen mehrere Personen wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Gegen Calmund werde nicht offiziell ermittelt. Bayer habe unterdessen gegenüber der Bielefelder Kriminalpolizei eingeräumt, dass die fragwürdige 580 000-Euro-Zahlung der Grund für die Trennung von Reiner Calmund gewesen sei.
Auf Anfrage des Spiegel berief sich Calmund auf seine Verschwiegenheitspflicht. Sobald diese aufgehoben sei, sei er aber bereit, jegliche Sachverhaltsaufklärung zu unterstützen. Am Samstag teilte Bayer 04 mit, dass Reiner Calmund in dieser Angelegenheit keinerlei Verschwiegenheitspflicht mehr unterliegt.
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