Düsseldorf/Montreux - Kaum waren die Lose gezogen und alle Interviews gegeben, da verließ Jürgen Klinsmann schon wieder eilig den Schweizer Nobel-Ort Montreux.
Keinen Moment länger als nötig wollte sich der Bundestrainer mit den Qualifikationsgruppen für die Fußball-Europameisterschaft 2008 beschäftigen, denn die Gedanken gehen nur Richtung Weltmeisterschaft. Priorität hat alles, was sich Richtung Juni bewegt, sagte Klinsmann. Nach einem vollen Bundesliga-Programm mit dem Besuch von drei Spielen zum Rückrundenauftakt lädt der 41-Jährige die WM-Kandidaten der deutschen Nationalmannschaft am 30. und 31. Januar zum ersten Lehrgang des WM-Jahres nach Düsseldorf.
Es wird eine Einstimmung auf die nächsten Monate. Wir wollen den Spielern sagen, was wir von ihnen erwarten und wie wir sie beobachten. Wir wollen ihnen ein übersichtliches Bild geben, was auf sie zukommt, sagte Klinsmann, der als sportliche Einheiten nur regenerative Kraftübungen vorgesehen hat. Statt Training auf dem Platz stehen für Michael Ballack, Lukas Podolski und Kollegen also hauptsächlich weitere Verbal-Lektionen vom Trainerstab an. Zudem werden Werbespots gedreht, um die Sponsoren-Verpflichtungen vor der heißen WM-Phase erfüllt zu haben. Wenn wir Mitte Mai in die Vorbereitung gehen, ist das kein Thema mehr. Dann geht es nur noch um Fußball, sagte Klinsmann.
Von den 28 eingeladenen Spielern - darunter Rückkehrer Philipp Lahm vom FC Bayern München - mussten zwei Akteure allerdings schon absagen. Die England-Profis Jens Lehmann und Robert Huth wurden von ihren Vereinen FC Arsenal und FC Chelsea wegen Punktspielen in der Premier League nicht freigestellt. Das macht nichts, ich werde sie am Telefon über alles informieren, sagte Klinsmann.
Das mögliche Fehlen von Miroslav Klose würde Klinsmann dagegen wurmen. Noch hofft der Bundestrainer, dass der Stürmer von Werder Bremen trotz seiner Schulterverletzung aus dem DFB-Pokalspiel beim FC St. Pauli nach Düsseldorf reisen kann. Etwas verklausuliert schloss er sich der Bremer Kritik an der Austragung der Partie trotz schlechter Platzverhältnisse an. Ich kann nichts dazu sagen, weil ich das Spiel nicht gesehen habe, aber ich vertraue auf das Urteil von Werder-Trainer Thomas Schaaf. Man sollte Spiele nicht anpfeifen, wenn ein Gesundheitsrisiko für die Spieler besteht, sagte Klinsmann beim Rückenrundenauftakt zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München im Fernseh-Interview.
Die Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen mit den Gegnern Tschechien, Slowakei, Irland, Wales, Zypern und San Marino hatte Klinsmann schnell abgehakt. Das ist nur aus organisatorischen Gründen für den Verband wichtig. Zumal seine eigene Zukunft als Bundestrainer bekanntlich vom WM-Verlauf abhängt. Alles ist möglich, sagte Klinsmann mit einem Grinsen.
In Düsseldorf will Klinsmann das Wir-Gefühl seiner WM-Kandidaten stärken. Für uns ist es wichtig, gleich als Gruppe zusammenzukommen. Die WM wird die Spieler nun tagtäglich begleiten, sagte der frühere Welt- und Europameister. Nach dem Auftakt-Lehrgang folgen vor der offiziellen Benennung des WM-Kaders bis zum Meldeschluss am 15. Mai nur noch die Länderspiele am 1. März in Italien und am 22. März in Dortmund gegen die USA, inklusive eines weiteren Fitness-Tests. Allen Nationaltrainern sind zwei Spiele eigentlich zu wenig, aber wir nehmen es, wie es kommt. Wir kennen die Spieler ja aus dem Effeff, sagte Klinsmann.
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