Nürnberg - Beim glanzlosen Comeback von Torjäger Ailton hat der Hamburger SV als schärfster Bayern-Jäger einen herben Rückschlag kassiert. Der Tabellenzweite unterlag zum Rückrunden-Auftakt bei einem nach der Pause wie entfesselt aufspielenden 1. FC Nürnberg mit 1:2 (0:0).
Durch die erste Auswärts-Niederlage erhöhte sich der Rückstand der Hanseaten auf Spitzenreiter Bayern München auf neun Punkte. Iwan Saenko (67.) und der eingewechselte U 21-Nationalspieler Stefan Kießling (73.) sorgten vor 23 928 Zuschauern mit ihren Toren für den erst zweiten Saison-Heimsieg der Franken, die nach einem Eigentor von Abwehrspieler Andreas Wolf (64.) sogar in Rückstand gelegen hatten. Der Club verdiente sich die drei wichtigen Punkte im Abstiegskampf mit einer großen Leistungssteigerung nach der Pause.
Wir haben völlig unnötig das Spiel aus der Hand gegeben. Was nach unserem glücklichen 1:0 abgelaufen ist, ist mir unverständlich, schimpfte HSV-Coach Thomas Doll. In der zweiten Halbzeit haben wir mit viel Mut den Gegner beeindruckt. Zwei Tore gegen den HSV, das ist noch keiner Mannschaft gelungen, kommentierte dagegen stolz FCN-Coach Hans Meyer, dessen Rettungs-Mission zu gelingen scheint.
Das 50. Duell mit dem HSV begann für den Club jedoch mit einem Schock: Kurz nach dem Anpfiff war das Comeback von Torjäger Marek Mintal schon wieder beendet. Vier Monate nach seinem Mittelfußbruch verletzte sich der Torschützenkönig der vergangenen Saison erneut am linken Fuß, als er ohne gegnerische Einwirkung umknickte. Die Schwere der Verletzung blieb zunächst offen. Wenn er wieder ausfallen sollte, wird mir das schwer zu schaffen machen, erklärte Meyer.
Mintals früher Ausfall vergrößerte noch die Personalprobleme bei den Franken, die schon ohne die gesperrten Mario Cantaluppi und Javier Pinola sowie die beim Afrika-Cup weilenden Tunesier Jawhar Mnari und Adel Chedli auskommen mussten. Kießling saß zudem nach einer eitrigen Angina bis zum 0:1 auf der Bank, stach aber als Joker.
Die Hamburger mussten ebenfalls mehrere Stammkräfte ersetzen, darunter die mit jeweils sechs Treffern erfolgreichsten Schützen Rafael van der Vaart (Knöchel-Operation) und Sergej Barbarez (Gelb-Sperre). Dafür standen die Winter-Einkäufe Ailton und Nigel de Jong in der Startformation. Ailton trat kaum in Erscheinung und blieb ohne Torchance. Nächstes Wochenende wird es besser, versprach der Heimkehrer aus der Türkei. Der niederländische Nationalspieler de Jong machte im defensiven Mittelfeld einen guten Eindruck, leistete sich aber vor dem Siegtor einen Ballverlust. Doll: Wir wissen, dass wir Qualität verpflichtet haben aber beide brauchen noch Zeit.
Der HSV konnte seine größere individuelle Klasse nie ausspielen. Die Nürnberger waren laufstark, standen nah am Mann und entfachten nach der Pause gewaltigen Druck. Nicht mal Wolfs Eigentor, der Piotr Trochowski Flanke ins eigene Tor lenkte, konnte die Franken stoppen. Saenko gelang mit einem 20-Meter-Schuss, der von HSV-Verteidiger Khalid Boulahrouz unhaltbar abgefälscht wurde, prompt der Ausgleich. Kießling machte mit seinem 7. Saisontor den Favoritensturz perfekt.
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