Bielefeld - Es war ein Sieg der Kategorie Dusel. Doch für Werder Bremen könnte das 1:0 (0:0) bei Arminia Bielefeld zum Befreiungsschlag werden.
Vorausgesetzt, dass wir wieder besser Fußball spielen, haken wir die Meisterschaft nicht ab, betonte Werder-Manager Klaus Allofs und richtete damit eine verhaltene Kampfansage an Bayern München. Nach dem ersten Bundesliga-Erfolg in Ostwestfalen seit dem 1. Dezember 1984 ist Bremen Zweiter, hat allerdings acht Zähler Rückstand auf den Rekordmeister.
Der Abstand ist nach Meinung von Miroslav Klose noch viel zu groß, um derzeit an den Titel denken zu dürfen. Ich denke, wir sollten uns lieber auf den zweiten Platz konzentrieren, dämpfte der Werder-Torjäger beim Lehrgang der Nationalmannschaft in Düsseldorf die Bremer Erwartungen. In der SchücoArena musste Klose wegen seiner Schulterblessur passen. Frank Fahrenhorst sprang für ihn vor 24 196 Zuschauern in die Bresche und erzielte in Klose-Manier per Kopf (72. Minute) den entscheidenden Treffer. Seine Tor-Premiere im Werder- Trikot war nach 617 Tagen - damals noch für den VfL Bochum (3:1 gegen Hannover am 22. Mai 2004) - das erste Erfolgserlebnis dieser Art für den Abwehrspieler, der in der Defensive einige Schwächen zeigte.
Eines räumte Fahrenhorst trotz aller Glücksgefühle ein: Die spielerische Vorstellung des Champions-League-Achtelfinalisten war ähnlich dürftig wie bei der Pokalschlappe beim FC St. Pauli: Das war keine überzeugende Leistung. Wir müssen erstmal wieder zu unserem Spiel finden, dann wird man sehen, wofür das reicht. Einige Bremer scheinen nicht mehr an die Titelchance zu glauben. Klose: Wir werden mit Sicherheit noch einige Punkte abgeben. Auch Allofs hält sich zurück, will seine Profis aber an deren eigenem Anspruch messen: Sie wollen ganz nach oben, da muss man sie in die Pflicht nehmen.
Trainer Thomas Schaaf sah sich schon in der Halbzeitpause genötigt, lauter zu werden. Allofs: Die Spieler mussten in der Kabine aufgeweckt werden. Pomadig, ohne Courage, fast armselig im Zusammenwirken der Mannschaftsblöcke - Schaaf kritisierte zu Recht, dass wir heute kein Superspiel geliefert haben. Allein die Effektivität stimmte: Aus eineinhalb Chancen machten die Bremer das Maximum und veranlassten Werder-Chef Jürgen L. Born zu einer mutigen Aussage: Wenn wir noch 16 solche Spiele gewinnen, dann sind wir deutscher Meister.
Zumindest in Bielefeld war das Glück den Bremern hold. Die forschen Arminen erarbeiteten sich zwar ein Chancenverhältnis von 7:2, doch ein Treffer wollte nicht gelingen. Selbst vom Elfmeterpunkt klappte es nicht: Der Tscheche David Kobylik scheiterte mit einem von Fahrenhorst an Isaac Boakye verursachten Strafstoß an der Querlatte (24.). Und von der 75. Minute an drohten Einschläge im Werder-Gehäuse fast im Minutentakt. Am Schluss war es eine haarige Angelegenheit, kommentierte Allofs die Überlegenheit der Gastgeber.
Wir haben unsere Chancen nicht genutzt und sind bestraft worden, sagte Arminia-Chef Hans-Hermann Schwick. Das ist ganz bitter für uns. Bremen hat eine Chance und macht ein Tor, trauerte Angreifer Artur Wichniarek den vielen vergebenen Möglichkeiten nach. Bielefelds Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch sah es ähnlich: Wir sind am eigenen Unvermögen gescheitert und natürlich frustriert. Jetzt kann es unten nochmal eng werden.
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