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Klinsmann will Hockey-Trainer als Sportdirektor | 2006-02-01


Frankfurt/Main - Jürgen Klinsmann will mit der revolutionären Verpflichtung von Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Sportdirektor die Modernisierung im Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiter vorantreiben.

Nach dem anfangs umstrittenen Engagement von US-Fitnesstrainern, der erstmaligen Aufnahme eines Sportpsychologen in den Betreuerstab sowie einem Chef-Scout aus der Schweiz soll noch vor der Weltmeisterschaft ein Trainer ohne Fußball-Kompetenz den neu geschaffenen Posten erhalten. Für die Führungsposition in der Nachwuchsförderung waren zuvor ausschließlich namhafte Fußball-Trainer und Ex-Nationalspieler wie Berti Vogts, Matthias Sammer und Guido Buchwald gehandelt worden.

Es mag sein, dass ein paar kritische Stimmen aufkommen könnten, sagte Klinsmann in Frankfurt/Main zu möglichen Bedenken auch aus der Fußball-Bundesliga. Aber wir von der Führung der Nationalmannschaft haben nicht das Selbstverständnis, wir Fußballer wüssten alles am besten. Andere Sportarten sind uns voraus, wir haben im Fußball in manchen Bereichen in den letzten Jahren geschlafen. Es ist wichtig, offen für neue Ideen und Sichtweisen zu sein, betonte Klinsmann.

Der Bundestrainer äußerte sich geradezu euphorisch über den 45 Jahre alten Peters, der seit Ende 2000 die deutschen Hockey-Herren betreut und sie 2002 zum ersten WM-Titel führte. Die Gespräche mit Bernhard Peters haben auf so hohem Qualitätsniveau stattgefunden, dass er uns überzeugt hat. Er ist eine Person, die uns unheimlich viel geben kann, sagte Klinsmann. Peters selbst hielt sich bedeckt: Ich möchte mich an diesen Spekulationen heute nicht beteiligen, sagte er nach der öffentlichen Bestätigung seines Kandidaten-Status durch Klinsmann.

Nach ersten Gesprächen mit einzelnen DFB-Präsidiumsmitgliedern drängt die Nationalmannschaftsführung auf eine schnelle Entscheidung. Das Thema soll bei der nächsten Präsidiumssitzung am 20. Februar besprochen werden. Wir sind da für eine Entscheidung, sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Diesen Zeitplan bestätigte DFB-Präsident Theo Zwanziger der dpa. Der geschäftsführende Verbandschef äußerte sich wohlwollend über den Überraschungs-Kandidaten: Ich persönlich schätze Herrn Peters sehr. Allerdings müsse die Lösung in die Fußball-Landschaft passen, betonte Zwanziger: Er muss auch Fußball-Stallgeruch haben. Ich bin sehr für Innovation, aber ich will erst einen Gesamteindruck des Präsidiums einholen.

Peters ist noch bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking vertraglich an den Deutschen Hockey-Bund (DHB) gebunden. Der Krefelder hatte aber schon einen Rückzug nach der Weltmeisterschaft im September in Mönchengladbach angekündigt. DHB-Präsident Stephan Abel deutete an, dass man Peters nicht ohne Zugeständnisse vorzeitig zum Fußball-Verband ziehen lassen würde. Ich hoffe, dass der DFB mit olympischem Geist an den DHB herantritt, sagte Abel.

Die Festlegung auf Peters, mit dem Klinsmann schon seit August 2004 in Kontakt steht, kann auch als Signal gedeutet werden, dass der 41-Jährige nicht nur bis zur Weltmeisterschaft im Sommer plant. Es ist sehr wichtig, dass wir jetzt schon die Weichen für die nächsten Jahre stellen, betonte Klinsmann. Dazu passte Bierhoffs Äußerung zum für Peters veränderten Anforderungsprofil an den Sportdirektor, der nun als Technischer Direktor bezeichnet werden soll. Ursprünglich sollte er auch als Interimslösung für den Bundestrainer im Falle einer Trennung bereitstehen. Man kann einen Fußballer-Kopf an die Spitze setzen. Aber der ist bei uns der Bundestrainer. Jürgen Klinsmann hat hier wahnsinnig viel bewegt, sagte Bierhoff.

Die Konzepte des Stabes um den DFB-Chefcoach soll Peters an den Nachwuchsbereich und die Trainer der Junioren-Teams weitergeben und umsetzen. Es herrscht immer wieder der Irrglaube, dass der Technische Direktor ein Trainer sein muss. Es muss aber jemand sein, der eher ein Manager ist und die Trainer führt, erläuterte Bierhoff. Der Hockey-Fachmann Peters wäre der unmittelbare Vorgesetzte etwa von derzeitigen Juniorencoaches wie den Ex-Nationalspielern Dieter Eilts, Ulli Stielike und Horst Hrubesch.

Peters ist den Nationalspielern bereits aus einem Beitrag zu der von Bierhoff eingeführten Vortragsreihe namhafter Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen bekannt. Dort hatte er Kapitän Michael Ballack und dessen Teamkollegen dargelegt, wie man Weltmeister wird. Bei Olympia in Athen holte er mit seinem Team 2004 Bronze.


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