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Ungarns schwarzer Panter Gyula Grosics wird 80 | 2006-02-04


Budapest/Frankfurt/Main - Das legendäre Budapester Restaurant Sipos, in dem Gyula Grosics in seinen 80. Geburtstag hineinfeiern wollte, genießt in der Donau-Metropole einen ausgezeichneten Ruf.

So wie der Jubilar, für dessen Würdigung der Ungarische Fußball-Verband am bevorzugten Treffpunkt magyarischer Fußball-Größen aller Generationen einen stilsicheren Rahmen gefunden hatte. Das Nationale Olympische Komitee bedachte ihn mit einem Fernseher der neuesten Generation.

Die ungarische Torwart-Legende Grosics gehört mit Verteidiger Jenö Buzansky und dem an der Alzheimer-Krankheit leidenden Kapitän Ferenc Puskas zu den drei noch lebenden Mitgliedern der ungarischen Nationalmannschaft, die am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion mit dem 2:3 im WM-Finale gegen Deutschland ihre schwärzeste Stunde erlebte. Es war das bittere Ende einer beispiellosen Erfolgsserie des bis dahin vier Jahre lang (1950-1954) unbesiegten ungarischen Wunderteams.

Das für die Deutschen bis in die Gegenwart glorifizierte Wunder von Bern wurde für die Ungarn zum Trauma - speziell für Grosics, den das Finale noch jahrelang im Traum verfolgte. Dem mit famosen Reflexen ausgestatteten Schlussmann, dem die Medien wegen seiner geschmeidigen Paraden das Prädikat schwarzer Panter verliehen, wurden Fehler bei den beiden Toren von Helmut Rahn zum 2:2 und jenem fabulösen 3:2 (aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen) angelastet. Grosics wurde in der in tiefer Depression versinkenden Heimat prompt zum Sündenbock für die Blamage gestempelt und sah sich staatlichen Repressalien ausgesetzt.

Nach noch fünf Länderspielen im Herbst 1954 wurde er im Dezember 1954 verhaftet und in einer fingierten Anklage des Landesverrats bezichtigt. Nach einjährigem Prozess wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen, dennoch für ein Jahr gesperrt und von dem Vorzeige- Armeeclub Honved Budapest zum Provinzverein Tatabanya abgeschoben. Grosics ließ sich aber nicht unterkriegen und feierte 1956 sein Comeback im Nationalteam, mit dem er 1952 in Helsinki Olympia-Gold geholt hatte.

Als 1956 der ungarische Volksaufstand ausbrach, ging er mit seiner Familie nach Österreich und schloss sich dem vom spanischen Exil aus weltweit vagabundierenden Honved-Team an. Ein lukratives Angebot von Flamengo Rio de Janeiro schlug er aus - das Heimweh wäre zu stark gewesen. Die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 1958 in Schweden und 1962 in Chile, bei denen er wieder Ungarns Nummer 1 war, wogen mehr als Mammon. Das letzte seiner 86 Länderspiele bestritt er am 14. Oktober 1962 in Budapest gegen Jugoslawien.

Nach dem Ende seiner Spielerkarriere versuchte er sich mit mäßigem Erfolg als Trainer, hatte zwischendurch ein Mode-Geschäft, ehe er sich in der Politik engagierte. Bei der Parlaments-Nachwahl 1991 unterlag er als Kandidat des damals regierenden Ungarischen Demokratischen Forums. Für die im April fällige Parlamentswahl betätigt er sich als Wahlhelfer für die Jungdemokraten.

Dem Fußball, dem er seinen Ruhm verdankt, hat er trotz des seit Jahren anhaltenden Niedergangs der einst ruhmreichen Magyaren (Das ist eine traurige Geschichte) und seinen persönlichen negativen Erfahrungen nie abgeschworen. Ich freue mich auf den Frühling, wenn ich wieder zum Fußball gehen kann, sagt Grosics, der sich gerade von einem Krankenhaus-Aufenthalt erholt hat. Ein Arterienkrampf im Gehirn hat zum Glück keine Folgen hinterlassen. Dafür spricht ein weises Wort des Jubilars: Erst kamen die Jahre, dann zählt man die Monate, später die Wochen und danach werden auch die Tage verschwinden.


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