Hannover/Hamburg - Thomas Doll konnte seine Wut nicht verbergen und wählte drastische Worte. Das war wirklich ein Scheiß-Abend, schimpfte der Trainer des Hamburger SV unmittelbar nach der 1:2-Niederlage bei Hannover 96.
Der völlig verstolperte Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga und dazu der langfristige Ausfall von Sturmhoffnung Ailton hatten Doll die Laune gründlich verdorben: Es ärgert mich so maßlos, dass wir solche Mannschaften aufbauen.
Von einer Krise will Doll trotzdem nichts wissen. Dabei ist nach der zweiten Niederlage im neuen Jahr offensichtlich, dass der HSV von der Form der Hinrunde sehr weit entfernt und nun der finanziell notwendige Champions-League-Platz gefährdet ist. Zumal die Hamburger wieder ohne ernst zu nehmende Stürmer dastehen. Wenn ich daran denke, dass uns Toni sechs oder acht Wochen fehlt - das ist eine Sache, die mir Sorgen macht, sagte Doll.
Der Brasilianer, der zu Beginn der Partie mit Hannovers Hanno Balitsch zusammengeprallt war und dabei einen Kieferbruch erlitt, wurde im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf operiert. Jetzt stehen Doll nur noch die harmlosen Naohiro Takahara und Benjamin Lauth und der in Hannover lustlose Sergej Barbarez zur Verfügung. Und auch der torgefährliche Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart wird noch mehrere Wochen fehlen.
Wie groß die Sturmnot ist, lässt sich auch an der Wertschätzung für Ailton ablesen. Der Brasilianer war bis zu seiner Verletzung erneut ein Fremdkörper, fiel zwar durch Einsatzfreude, aber auch durch falsche Laufwege und mehrere Abseitsstellungen auf. Dennoch lobte Doll den in der Winterpause aus Istanbul geholten Stürmer, der zunächst versucht hatte, weiter zu spielen. Da sah man, wie gern er auf dem Platz geblieben wäre, lobte der Coach. Ein Spieler, der mit einem Kieferbruch minutenlang auf dem Platz bleibt, zeigt, dass er will. Doll rechtfertigte damit den nicht unumstrittenen Wechsel, weil ja schon der ein oder andere gefragt hat, ob er der richtige für uns ist.
Bei der Suche nach den Ursachen tun sich die Verantwortlichen schwer. Da gibt es viele Dinge, sagte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, ohne konkret zu werden. Bei der Niederlage in Hannover, wo nach den Treffern von Dariusz Zuraw (48.) und Vahid Hashemian (72.) lediglich der Anschluss durch den sonst schwachen Barbarez (81.) gelang, fehlte auf jeden Fall die Leidenschaft. Wir müssen mehr dagegenhalten, forderte Beiersdorfer. Wir müssen alles andere ausblenden, auch dass wir weiter oben spielen.
Während Hannover nach dem neunten Spiel nacheinander ohne Niederlage weiter im Aufwind ist, versuchte Doll, sich mit Blick auf das Heimspiel am Samstag gegen Mainz 05 kämpferisch zu geben. Wir haben zwei Mal etwas auf die Mütze bekommen, aber das wird uns nicht umhauen, sagte er. Ich hoffe, dass jetzt jeder gesehen hat, dass es nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit geht.
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