Hamburg - Thomas Doll ist ein Anhänger der Relativitätstheorie im Fußball: Ein durchwachsenes Spiel nach einem miserablen ist ein gutes Spiel.
Folglich sang der 39 Jahre alte Trainer des Hamburger SV nach dem mageren 1:0 (0:0) über den angriffsschwachen FSV Mainz 05 Lobeshymnen auf sein Team: Wir haben die richtige Antwort auf die letzten Spiele gegeben. Wir sind zurückgekommen. Die Jungs haben aufopferungsvoll gekämpft und am Anfang richtig guten Fußball gespielt. Dabei hatten seine Mannen nur das umgesetzt, was der Trainer vor Spielbeginn als Minimalforderung erhoben hatte: Humorlos drei Punkte einfahren und Mund abwischen.
Die Absicht der Streicheleinheiten war klar: Nach verpatztem Rückrundenstart mit zwei Niederlagen in drei Spielen und wenige Tage vor dem UEFA-Cup-Auftritt beim Schweizer Tabellenfünften FC Thun brauchte das verunsicherte Team eine Seelenmassage. Da kam der Erfolg gegen einen Abstiegskandidaten, der die Hamburger zudem wieder auf Platz zwei klettern ließ, gerade recht. HSV-Chef Bernd Hoffmann konnte sich nach der jüngsten Medienschelte beißenden Spott nicht verkneifen: Von der größten Krise in der Vereinsgeschichte zur deutschen Vizemeisterschaft - das ist doch was.
Wenn auch im Sturm vieles Stückwerk blieb und druckvolles Kombinationsspiel nur in der Startphase geboten wurde - die Defensive der Hamburger wies in der Tat Fortschritte nach. Daran hatten die harmlosen Rheinhessen, mit mageren vier Punkten auswärtsschwächster Bundesligist, allerdings einen gehörigen Anteil. Dass jedoch mehr Ordnung ins HSV-Spiel einzog und das schnelle Umschalten auf Angriff funktionierte, war vor allem das Ergebnis einer Besetzungskorrektur. Raphael Wicky durfte zurück auf seinen angestammten Platz in der zentralen Position vor der Abwehr. Doll brach damit den missglückten Versuch ab, den neu erworbenen niederländischen Nationalspieler Nigel de Jong als Defensiv-Lenker zu installieren. Der 21-Jährige erhielt nun den Marschbefehl ins rechte Mittelfeld. Nigel fühlt sich wohler auf der Halbposition, fasste Doll seinen Erkenntnisgewinn zusammen.
Zum Umdenken hatten den Trainer auch Gespräche mit Spielern bewogen. Die hielten mit ihrer Abneigung gegen die Neubesetzung der sensiblen Schaltstation vor der in der Hinrunde stabilsten Abwehr der Bundesliga nicht hinterm Berg. Heute hat unsere Ordnung im Mittelfeld gestimmt. Wir haben uns wohl gefühlt, sagte Torschütze Mehdi Mahdavikia. Dessen Siegtreffer (6. Minute) nach sehenswertem Sololauf durch die versammelte Mainzer Abwehr gab 05-Trainer Klopp noch eine Stunde nach Spielschluss Rätsel auf: Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, wie Mehdi da durchkommen konnte.
Klopp trauerte der verpassten Möglichkeit, den Auswärtsfluch zu verjagen, hinterher. Wir hätten einen Punkt mitnehmen müssen, monierte er, um dann aber auch ein Lob zu verteilen. Meine Jungs haben eine brutale Leidenschaft an den Tag gelegt. Aber es hat leider nicht gereicht. Bitter: Der Abstand auf die Abstiegsplätze schrumpfte auf drei Zähler. Abwehrspieler Benjamin Weigelt forderte seine Kollegen deshalb zur Trotzreaktion auf: Jetzt müssen wir in Stuttgart drei Punkte holen. Da bin ich sehr zuversichtlich.
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