Bielefeld - Für Krisenbewältiger Armin Veh werden die Probleme des VfB Stuttgart zur Extrem-Herausforderung. Das 1:2 (1:1) bei Arminia Bielefeld offenbarte dem neuen Chefcoach das schwäbische Fußball-Dilemma in seinem ganzen Ausmaß.
Der Defensiv-Geist von Veh-Vorgänger Giovanni Trapattoni ist noch so in den Köpfen der Spieler verankert, dass Veh den verunsicherten und ratlosen VfB-Profis erst wieder den Spaß am Fußball und die Lust am Toreschießen vermitteln muss.
Die erste Saison-Auswärtsniederlage und die Fortsetzung der Serie auf jetzt vier Spiele ohne Sieg ließ Veh schon zu Beginn seiner Tätigkeit am Neckar fast verzagen. Ich fange morgen an, verschob er die Problembewältigung um einen Tag. Es klang wie eine Entschuldigung, als der 45-Jährige seine momentane Machtlosigkeit erwähnte: Ich kann in 24 Stunden nicht viel anders machen. Da kann ich doch nicht die komplette Mannschaft umkrempeln.
Kein Zweifel: Veh hat ein schweres Trapattoni-Erbe angetreten. Es war nur ein kleiner Trost, dass Ludovic Magnin vor 17 728 Zuschauern in der SchücoArena zum 1:1 (37. Minute) ausglich und damit nach drei Nullnummern im neuen Jahr immerhin das erste VfB-Pflichtspieltor erzielte. Ich habe mir meinen Einstand anders vorgestellt. Ich wäre gern mit einem Sieg oder zumindest einem Unentschieden nach Hause gefahren, meinte Veh, der seit September 2004 beschäftigungslos war und jetzt den VfB im Eilverfahren sanieren soll.
Es liegt nicht am Trainer, sondern an unserer Leistung, übte Nationalspieler Christian Tiffert nach den Gegentoren durch Isaac Boakye (31./50.) Selbstkritik. Alle warten sie auf den von Tiffert propagierten Befreiungsschlag: Ein Kantersieg. Und mit Sicherheit kann einer neuer Trainer dabei etwas bewirken, traut Tiffert dem Trapattoni-Nachfolger den Umschwung zu. Ob die Zwangs-Demission des Italieners die richtige Maßnahme war, ließ Tiffert dahin gestellt: Dazu äußere ich mich nicht.
VfB-Präsident Erwin Staudt machte vor der UEFA-Cup-Partie gegen den FC Middlesbrough und dem Bundesliga-Duell mit dem FSV Mainz 05 drei Tage später wenigstens ein wenig mehr Begeisterung im Team aus, aber es war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Natürlich hätte man das erste Spiel mit dem neuen Trainer gern gewonnen, jetzt fange die Arbeit für Veh und die Mannschaft erst richtig an - Staudts indirekte Kritik an dem schwäbischen Missverständnis Trapattoni war kaum zu überhören. Nationaltorhüter Timo Hildebrand weiß, dass es schwierig ist, auf die Schnelle etwas zu verändern. Wir als Mannschaft können dem neuen Trainer nur dadurch helfen, dass wir uns noch mehr einbringen.
Der zweite VfB-Debütant neben Veh hatte trotz der Pleite sein persönliches Erfolgserlebnis. Für Andreas Beck, den 18 Jahre alten Rechts-Verteidiger, erfüllte sich ein Traum. Die erste Etappe ist geschafft, jetzt will ich mich weiter empfehlen. Es hat trotz der Niederlage Spaß gemacht.
Dieses Vergnügen teilte der Neuling mit vor Freude tanzenden Bielefeldern, die nach dem ersten Sieg des neuen Jahres nur noch drei Punkte hinter dem VfB liegen. Der Trainerwechsel in Stuttgart hat uns nicht beeinflusst, wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit, sagte Trainer Thomas von Heesen. Und Isaac Boakye war einfach glücklich. Ich danke Gott für dieses Spiel und die Tore, die ich erzielen durfte.
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