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Druck in Köln wächst: Manager Rettig wirft hin | 2005-12-18


Bielefeld - Die dramatische sportliche Schieflage des 1. FC Köln hat im Rücktritt von Manager Andreas Rettig die erste personelle Konsequenz gefordert. Jetzt sind die Entscheidungsträger in Zugzwang.

Nach der schlechtesten Hinrunden-Bilanz in der Fußball-Bundesliga muss Clubchef Wolfgang Overath die Personalie Uwe Rapolder schnell klären. Entzieht er dem Trainer das Vertrauen, hätte ein Nachfolger alle Optionen, schnell das Ruder in die Hand zu nehmen und es mit neuem Spielermaterial herumzureißen. Rapolder will es aber selbst schaffen: Ich werde auf keinen Fall aufgeben.

Rettig dagegen bat Overath noch auf der Tribüne der Bielefelder SchücoArena um Demission: Es ist für mich eine Frage des Verantwortungsbewusstseins. Der honorige Schritt des Ex-Managers ist die Konsequenz aus der schlechten Personalsituation, der Kader- Zusammenstellung und der Rapolder-Verpflichtung. Bei zwölf Punkten muss ich mich an diesen Dingen messen lassen, teilte Rettig mit, tauschte einen Händedruck mit dem Coach und verschwand.

Rapolder will bleiben, auch wenn das 2:3 (1:0) bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Arminia Bielefeld für die Kölner das zwölfte Spiel hintereinander ohne Sieg war: Das ist schwer zu ertragen. Auch Rapolder nahm die Verantwortung für das Überwintern seiner Profis auf einem Abstiegsplatz auf sich, kann aber in eigener Sache vorerst nur Geduld aufbringen: Ich muss abwarten, was der Club entscheidet. Nach einer Analyse wird sich herausstellen, wie der Verein reagiert. Dabei, räumte der 47-Jährige ein, habe ich ein schlechtes Gefühl.

Spätestens zu Beginn der neuen Woche, so die Tendenz, will die FC-Führungsriege befunden haben, ob es mit oder ohne Rapolder weiter geht. Overath sprach sich zuletzt immer für den Schwaben aus, der vor 26 601 Zuschauern machtlos zusehen musste, wie sein Team nach dem 48- Sekunden-Blitztor zum 1:0 durch Christian Springer einen kollektiven Blackout hatte. Rapolder: Da sind bei uns wieder die Dämme gebrochen. David Kobylik (52.) und Michael Fink (54./59.) sorgten für das Bielefelder 3:1. Matthias Scherz (72.) gelang noch der Kölner Anschlusstreffer, doch scheiterte er kurz vor Schluss am Pfosten.

Es ist nicht die Zeit, nach Entschuldigungen zu suchen, aber ich war meistens in der Situation, reagieren zu müssen, verwies Rapolder auf die Verletzten-Misere mit teilweise elf Ausfällen. Wir hatten überhaupt kein Glück, diese Geschichte hat sich wiederholt, meinte er. Und: Ich könnte nicht sagen, was ich falsch gemacht hätte.

Auch Overath betonte immer, sehr viel von den Fähigkeiten seines Wunschtrainers zu halten. Und einen Fehler wie den der damaligen Club-Führung, die Ewald Lienen am Geißbockheim erst am 28. Januar 2002 ablöste und zu spät durch Friedhelm Funkel ersetzte, will diesmal keiner begehen: Damals stand am Ende der zweite Abstieg. Zudem sind jetzt, unter Zeitdruck und ohne sportliches Management, passende Alternativen zu dem bei den Fans noch immer beliebten Rapolder schwer zu finden. Und schließlich sei der Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen ja nicht so groß, so Rapolder. Man habe ja noch 17 Spiele, argumentierte Overath schon vor der Partie in Bielefeld mehr oder minder pro Rapolder.


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