Rostock - Innerhalb von zwei Wochen hat der deutsche Fußball seine zweite Kopfstoß-Affäre - erneut mit Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) im Mittelpunkt.
Im DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen Hansa Rostock und Kickers Offenbach verloren die Norddeutschen 3:4 im Elfmeterschießen - und ihr Schlussmann Mathias Schober die Nerven. Er versetzte seinem Gegenüber Sead Ramovic einen Kopfstoß und sank dann theatralisch zu Boden. Gräfe bestrafte den Ramovic wegen einer angeblichen Tätlichkeit mit Rot, während Schober mit der Gelben Karte davonkam. Nach meiner Meinung ist Schober der Schuldige, sagte Horst Hilpert, der Kontrollausschuss-Vorsitzende im Deutschen Fußball-Bund (DFB), nach dem Studium der Fernsehbilder.
Der Fall Schober zeigt erstaunliche Parallelen zu Vorkommnissen im Bundesliga-Spiel am 6. Dezember zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln. Damals verpasste der inzwischen entlassene MSV-Trainer Norbert Meier dem Kölner Profi Albert Streit einen Kopfstoß und sank ebenfalls zu Boden. Meier verlor nach der dreimonatigen Sperre durch den DFB seinen Job beim MSV. Zudem muss der Fußball-Lehrer 12 500 Euro Strafe zahlen. Schiedsrichter in beiden Spielen war Manuel Gräfe.
Kopfschüttelnd stand Ramovic im Stadiongang und sprach mit zitternder Stimme: Schober hat angefangen. Er hat mir die Kopfnuss gegeben. Schober hat sich sogar bei mir entschuldigt. Die Offenbacher Verantwortlichen behalten sich rechtliche Schritte vor. Wir werden prüfen, was Sinn macht. Eine Strafe für Schober interessiert mich nicht. Wichtig für uns ist, was mit Ramovic passiert, sagte Offenbachs Trainer Hans-Jürgen Boysen, der zuvor bereits drei Mal gewechselt hatte und im Elfmeterschießen Torhüter Ramovic durch Mittelfeldspieler Stephan Sieger ersetzen musste.
Schober war sich hingegen keiner Schuld bewusst. Wofür soll ich mich entschuldigen, es ist doch nichts passiert, meinte der Hansa- Keeper. Er räumte jedoch ein, Ramovic provoziert zu haben. Das war aber kleine Kinderkacke, betonte er. Und: Wenn ich Schiedsrichter gewesen wäre, hätte ich uns beiden die Gelbe Karte gezeigt, denn weder Ramovic noch ich haben eine Kopfnuss verteilt. Ansonsten wären ja Spuren im Gesicht zu erkennen.
Dagegen meinte Offenbachs Vize-Präsident Thomas Kalt zu Schober. Schauen Sie sich die Fernsehbilder an. Diese zeigen deutlich, dass beim Gerangel zwischen beiden Torhütern Schober eine Kopfbewegung in Richtung Ramovic macht, dem Kalt allerdings eine Mitschuld gab. Das Verhalten von Ramovic war aber auch nicht korrekt. Er hat das ganze Spiel über provoziert.
Die Kopfstoß-Attacke von Torhüter Schober wird jedoch kein Nachspiel haben. Der DFB-Kontrollausschuss teilte mit, dass die Gelbe Karte gegen Schober eine Tatsachentscheidung des Schiedsrichters Manuel Gräfe (Berlin) sei. Für weitere Schritte gegen Schober gäbe es keine rechtlichen Grundlagen. Zudem werde das Verfahren gegen Offenbachs Torhüter Sead Ramovic nach dem Platzverweis eingestellt.
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