Wolfsburg - Klaus Augenthaler will Silvester und Neujahr vor dem Videorecorder verbringen. Der neue Trainer des VfL Wolfsburg deckte sich bei seinem Antrittsbesuch in der niedersächsischen Provinzstadt mit mehreren Kassetten des Wolfsburger Bundesliga-Teams ein.
So kann ich mir am schnellsten ein Bild von meiner neuen Mannschaft machen. Das Fernsehprogramm ist ohnehin schlecht, scherzte der 48 Jahre alte Coach bei seiner Vorstellung in der Volkswagen-Arena.
Der Weltmeister von 1990, der als Nachfolger des entlassenen Holger Fach überraschend den Zuschlag vor Ralf Rangnick erhalten hatte, freute sich sichtlich über die Rückkehr auf den Platz. Nach seiner Entlassung in Leverkusen am 16. September hatte er mehrere Angebote aus dem Ausland abgelehnt. Doch jetzt sei sein Hauswirtschaftskurs beendet. Der VfL Wolfsburg ist ein Verein, bei dem man etwas bewegen kann. Die Mannschaft gehört nicht auf Platz 13. Meine Aufgabe ist, das Team Schritt für Schritt nach vorne zu bringen, begründete Augenthaler seine spontane Zusage bei dem Werksclub.
Eine konkrete Zielsetzung für die Rückrunde nannte der neue Trainer nicht. Herr Augenthaler soll eine Trendwende schaffen und die Mannschaft kurzfristig aus dem Tabellenkeller führen. Danach können wir wieder über mittel- und langfristige Ziele reden, erklärte der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Sander. Über den UEFA-Cup oder die Champions League, ehemals das große Ziel des ambitionierten Vereins, wollten Sander, Augenthaler und auch der neue Manager Klaus Fuchs lieber nicht reden.
Vielmehr appellierte Augenthaler vor dem Trainingsauftakt an die Berufsauffassung der VfL-Profis. Es ist Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit angesagt, kündigte der 27-malige Nationalspieler eine harte Welle an. Für alle Profis ginge es bei Null los. Das gelte auch für Miroslav Karhan, dem zuletzt Arbeitsverweigerung unterstellt worden war. Auf Verstärkung in der Winterpause kann der neue Coach nicht unbedingt setzen. Wir werden uns bei Transfers defensiv verhalten, sagte Manager Fuchs.
Der gebürtige Bayer Augenthaler (Grün-Weiß sind auch die Vereinsfarben meines Heimatclubs Vilshofen) trifft in Wolfsburg auf ein Team mit hohem Ausländeranteil. Das bereitet dem Trainer, der zuvor in Graz, Nürnberg und Leverkusen gearbeitet hatte, keine Probleme. Im Gegenteil. Augenthaler will aus Spielern wie dem argentinischen VfL-Regisseur Andres DAlessandro möglichst viel herauskitzeln: Ich habe einen guten Draht zu ausländischen Spielern. Es gibt zu jedem Menschen einen Schlüssel. Den suche ich, bis ich ihn gefunden habe.
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