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Schweizer Wunschkandidat Favre wird Hertha-Trainer | 2007-06-01


Berlin - Der Schweizer Trainer des Jahres hat dem stürmischen Werben der alten Dame nachgegeben: Offensiv-Liebhaber Lucien Favre soll Hertha BSC nach einer verkorksten Saison in der Fußball-Bundesliga neuen Schwung verleihen.

Nach zwei Meisterschaften mit dem FC Zürich gab der 49-jährige Wunschkandidat beim bisherigen Club seinen Abschied bekannt. Favre tauscht damit einen Startplatz in der Champions League gegen eine sportliche Herausforderung und ein angeblich drei Mal so hohes Gehalt ein.

Hertha-Manager Dieter Hoeneß einigte sich mit Favre auf einen Dreijahresvertrag bis 2010. Wir sind sehr froh, dass wir unseren Wunschtrainer unter Vertrag nehmen konnten, sagte Hoeneß. Lucien Favre ist ein Trainer, dessen erfolgreiche Karriere wir schon lange mit großer Aufmerksamkeit verfolgt haben. Er passt sowohl sportlich als auch menschlich hervorragend zu Hertha BSC und nach Berlin.

Karsten Heine, der den Bundesligisten als Nachfolger von Falko Götz in den letzten sechs Saisonspielen betreut hatte, kehrt damit ins zweite Glied zur U23-Mannschaft zurück, die gerade aus der Regionalliga abgestiegen ist. Hätte Favre auf die bis Freitagnachmittag laufende Hertha-Frist mit einer Absage reagiert, galten der im Ostsee-Urlaub weilende Heine und der Norweger Trond Sollied als Kandidaten.

Favre teilte nach tagelangem Zögern dem Verwaltungsrat des FC Zürich persönlich seinen Abschied aus dem bis 2008 laufenden Vertrag mit. Er soll Hertha BSC angeblich 200 000 Euro Ablöse kosten und am 1. Juni in Berlin vorgestellt werden. Favre wird nach dem jetzigen Bochumer Coach Marcel Koller, Hanspeter Latour (1. FC Köln) und Martin Andermatt (SSV Ulm, Eintracht Frankfurt) der vierte Schweizer Trainer in der Bundesliga-Geschichte. Bei Hertha BSC standen in dem Ungarn Pal Csernai und dem Niederländer Huub Stevens erst zwei ausländische Cheftrainer unter Vertrag.

Hoeneß war zuvor nach Zürich geflogen, um den offenbar unsicher gewordenen Favre nochmals vom Wechsel nach Berlin zu überzeugen. Auch der FC Zürich hatte um den West-Schweizer geworben, der gerade zum zweiten Mal in Folge Trainer des Jahres in seiner Heimat geworden war. Die Auszeichnung hatte er aber nicht mehr persönlich entgegen genommen. Der 24-malige Nationalspieler gilt als Anhänger des offensiven Fußballs, der auch einen Blick für Talente hat, und nennt Ottmar Hitzfeld, Arsene Wenger, Rafael Benitez und Johan Cruyff als beste Trainer, wenn auch nicht als Vorbilder.

Mit Hertha BSC machte er Ende 2001 Bekanntschaft: Damals warf er die Berliner mit Servette Genf aus dem UEFA-Cup. Nach einem 0:0 in Genf siegte Servette im Rückspiel 3:0 im Olympiastadion und fügte den Hauptstädtern eine der schmerzlichsten Niederlagen in ihrer Europapokal-Geschichte zu. Für Servette war der zweifache Familienvater auch als Spieler aktiv. Weitere Stationen waren Yverdon-Sports und der FC Echallens. Als Trainer betreute er außer dem FC Zürich und Servette auch Yverdon.


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