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Dirigent sucht neues Ensemble: Rosicky vor Wechsel | 2006-01-12


Dortmund/Kemer - Dirigent Tomas Rosicky geht auf Bundesliga-Abschiedstournee. Kaum hat sich die Aufregung um seinen geplatzten Transfer zu Atletico Madrid gelegt, kündigte der Spielmacher von Borussia Dortmund mit deutlichen Worten einen Vereinswechsel zum Saisonende an.

Das ist mein fünftes Jahr in Dortmund. Nun möchte ich etwas anderes machen. Außerdem hat die Borussia mit Steven Pienaar aus Amsterdam schon einen Nachfolger verpflichtet, sagte er im Trainingslager der Borussia an der türkischen Mittelmeerküste.

Der erneute Vorstoß von Rosicky kommt für die Dortmunder nicht überraschend. Längst haben sie sich mit dem Spielmacher auf eine Trennung verständigt, bleiben aber bei der Ablösesumme hartnäckig. Wie die Führung von Atletico Madrid im Dezember zu spüren bekam, ist der bis 2008 vertraglich an den BVB gebundene Rosicky nicht unter 12 Millionen Euro zu haben. Niedrigere Angebote sind für BVB- Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auch in Zukunft indiskutabel: Aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir ihn nicht verkaufen. Nur wenn die Voraussetzungen stimmen, wird Tomas uns verlassen.

Ungeachtet der Spekulationen um die Zukunft von Rosicky laufen beim BVB die Planungen für die kommende Saison auf Hochtouren. Mit Staunen registriert die Fachwelt, dass der vor knapp einem Jahr von der Insolvenz bedrohte Club wieder über Investitionen nachdenkt. Deutliche Gehaltseinsparungen sowie der Verkauf der Stadion-Namensrechte, erhöhte TV-Gelder und ein Plus im Sponsoring-Bereich verschafften mehr Handlungsspielraum. Die erfreuliche Entwicklung stimmt selbst die Gläubiger des mit 89 Millionen Euro verschuldeten BVB milde. Das sind gestandene Leute. Die haben erkannt, dass wir mit einem moderaten Investment einiges schneller zurückführen können, sagte Watzke.

Aus dem BVB-Interesse an den Mittelfeldspielern Pienaar, Nigel de Jong (beide Ajax Amsterdam) und Torjäger Alexander Frei (Stade Rennes) macht Watzke keinen Hehl. Anders als Rosicky will der BVB- Geschäftsführer den Wechsel von Pienaar jedoch noch nicht als perfekt vermelden: Das ist Unfug. Unbestritten ist jedoch, dass wir Pienaar wollen. Außerdem geht es bei dieser Geschichte nicht um einen Rosicky-Ersatz. Ich könnte mir auch beide Seite an Seite in unserem Mittelfeld vorstellen.

Nach drei Niederlagen zum Ende der Hinserie ist die Euphorie über die aus der Not geborene Rasselbande einer nüchternen Erkenntnis gewichen: Bei aller Freude über die positive Entwicklung solch junger Spieler wie Nuri Sahin, Marc-André Kruska und David Odonkor will der BVB in Zukunft wieder etwas stärker auf erfahrenere Profis setzen. Die Altersstruktur in der Mannschaft stimmt nicht, monierte Manndecker Christian Wörns. Watzke ist ähnlicher Meinung und deshalb zu Investitionen bereit. Rund einen Monat vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen des börsennotierten Fußball-Unternehmens gibt er sich zuversichtlich: Vielleicht lehne ich mich mit dieser Aussage zu weit aus dem Fenster. Aber es besteht die Möglichkeit, dass wir schon in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.


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