Teheran - Hinflug, Spiel, Rückflug - mit einem nicht einmal acht Stunden währenden Aufenthalt in Teheran wollte Bayern München sein umstrittenes Iran-Gastspiel auf eine reine Fußball-Veranstaltung reduzieren.
Doch nach dem Testspiel, das vor 50 000 Zuschauern im nur zur Hälfte gefüllten Asadi-Stadion mit einem 2:1 (2:1)-Erfolg des deutschen Rekordmeisters gegen den Hauptstadt-Club Persepolis endete, musste sich Bayern-Manager Uli Hoeneß abermals rechtfertigen.
Die Menschen in Teheran empfingen die Münchner Stars freundlich und verhielten sich tadellos. Doch im Konflikt um das Atom-Programm des Iran wurde der Auftritt des deutschen Meisters doch politisch ausgenutzt. Im weltweiten Fernsehbild der Partie waren nicht nur die Treffer von Ali Ansarian (26./Foulelfmeter) für Persepolis sowie Michael Ballack (35.) und Paolo Guerrero (44.) für die Bayern zu sehen, sondern mehrfach auch ein englischer Schriftzug, der für die friedliche Nutzung der Kernkraft warb. Ein einmaliger und aus Sicht des FC Bayern geradezu ungehöriger und provokativer Vorgang.
Der iranische Vizepräsident und Sportverbandschef Ali Abadi nahm den Bayern-Auftritt in einem Interview mit ARD und ZDF zum Anlass, die Bedeutung des Sports als Kommunikationsmittel zwischen den Nationen hervorzuheben, auch politisch: Wir wollen mit allen unseren Freunden ein gutes Verhältnis haben. Er machte aber im Stadion auch deutlich, dass der Iran im Atom-Streit konsequent bleiben will. Unser Land wird seinen Weg weitergehen. Die nukleare Forschung ist ein Wissenschaftszweig, von dem wir nicht die Hände lassen werden, sagte Abadi.
Hoeneß fühlte seinen Verein auch im Nachhinein nicht ausgenutzt. Ich sehe hier weit und breit keine politische Propaganda. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir missbraucht wurden, erklärte der Manager. Er verwies vielmehr auf die Begeisterung der Menschen innerhalb und außerhalb der Arena. Ich habe keine politischen Plakate im Stadion gesehen, meinte er. Der FC Bayern betrachte den Sport als Mittel zur Völkerverständigung. Wenn wir alle den Iran an die Wand stellen und nicht mehr hierher kommen, dann sind wir auf dem falschen Weg. Bei der Verabschiedung durch die Verantwortlichen von Persepolis sagte Hoeneß demonstrativ: Wir würden uns freuen, wenn die Verhandlungen zwischen den Regierungen auf eine friedliche Lösung hinauslaufen.
Hoeneß bereute die Zusage zu dem Gastspiel, für das die Bayern ein Honorar von rund 250 000 Euro kassierten, auch nachträglich nicht. Ich würde die Reise morgen wieder machen, sagte er und betonte demonstrativ den aus seiner Sicht sportlichen Wert: Für uns hatte das Spiel einen irren Nutzen, weil wir richtig gefordert wurden.
Ob es tatsächlich Sinn machte, die Spieler mitten in der Vorbereitung einem Kälteschock vom sommerlichen Dubai ins winterliche Teheran auszusetzen und sie auf einem katastrophalen Platz spielen zu lassen, erschien zumindest fragwürdig. Allerdings fand auch Trainer Felix Magath ein Spiel unter diesen Bedingungen gut. Er setzte alle 22 mitgereisten Profis jeweils 45 Minuten lang ein.
Große Freude versprühten die Stars weder auf dem Platz noch während der Halbtages-Reise. Für Ali Karimi galt das allerdings nicht: Für mich war es etwas Besonderes, mit Bayern gegen meinen Ex-Club in meinem Land zu spielen. Wir hatten schwere Beine vom Training, aber trotzdem haben wir gewonnen. Es war ein gelungenes Testspiel, meinte der von seinen Landsleuten besonders begeistert empfangene Nationalspieler.
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