München/Offenbach - Die 2. Fußball-Bundesliga hat das WM-Jahr mit einem Paukenschlag eröffnet und mit zwei Trainerentlassungen innerhalb von nur 24 Stunden für ein Novum gesorgt.
Am 22. Januar reagierte der TSV 1860 München mit der Entlassung von Trainer Reiner Maurer auf die sportliche Krise, tags darauf zog Kickers Offenbach nach fünf Heimpleiten in Serie die Reißleine und trennte sich von Chefcoach Hans-Jürgen Boysen. Mit der sechsten Entlassung der Saison verzeichnet die Liga einen Trainerwechsel mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Die Münchner Löwen wollen mit einer neuen sportlichen Führungsspitze - auch Manager Roland Kneißl musste gehen - den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga erzwingen. Über Maurers Nachfolge waren die wildesten Spekulationen im Umlauf. Favorit auf den Job beim Tabellenvierten ist angeblich der zu Saisonbeginn bei Hansa Rostock gefeuerte Jörg Berger, für den Posten des Sportdirektors scheint der frühere Fußball-Nationalspieler Stefan Reuter die besten Karten zu haben. Sogar Ex-Trainer Werner Lorant ist im Gespräch. Als Krisenhelfer hat sich Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser angeboten.
Die miese Bilanz in der Allianz Arena, in der nur drei der zehn Heimspiele gewonnen wurden, und letztlich die 0:0-Blamage gegen Schlusslicht LR Ahlen in der ersten Partie nach der Winterpause kosteten Maurer, der am 4. Dezember 2004 Rudi Bommer beerbt hatte, und Kneißl den Job. Co- Trainer Bernhard Trares wird das Team auf das DFB-Pokal-Viertelfinale am 25. Januar gegen Eintracht Frankfurt vorbereiten. Spätestens beim nächsten Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth am 6. Februar soll der neue Coach auf der Bank sitzen und den TSV 1860 zwei Jahre nach dem Abstieg zurück ins Fußball-Oberhaus führen.
Am Bieberer Berg hat vorerst Steffen Menze, der bislang die 2. Mannschaft betreute, das Sagen. Er wird im Pokal-Viertelfinale in Bielefeld erstmals die Verantwortung tragen. Wir möchten nichts unversucht lassen, mit einem Wechsel eine mögliche Trendwende zum Positiven herbei zu führen, begründete OFC-Präsident Dieter Müller die überraschende Entscheidung. Menze bestritt 164 Zweitligaspiele für Hannover 96, Eintracht Frankfurt, FSV Zwickau und den 1. FC Union Berlin und beendete seine Karriere vor zwei Jahren in Offenbach.
Obwohl die Kickers in der 2. Bundesliga auf einem Abstiegsplatz stehen, hatte nichts auf eine Entlassung Boysens hingedeutet. Bislang hatte das Präsidium dem Coach stets den Rücken gestärkt. Am Vormittag nach der 1:3-Heimpleite gegen Hansa Rostock entzog es ihm jedoch das Vertrauen und informierte anschließend die Mannschaft. Das ist ein Schock, reagierte Abwehrspieler Daniel Schumann auf die Nachricht.
Der 48-jährige Boysen hatte die Offenbacher von 1997 bis 1999 und dann wieder seit dem 21. März 2004 trainiert. Bei seinem zweiten Engagement führte er den hessischen Traditionsverein in den bezahlten Fußball zurück. Nach einem gelungenen Saisonstart ließ der Aufsteiger jedoch stark nach und fiel auf einen Abstiegsplatz zurück.
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