Karlsruhe - Vor dem Zweitliga-Gipfeltreffen gegen den TSV 1860 München geht Manager Rolf Dohmen beim Tabellenvierten Karlsruher SC gerne wie selten zur Arbeitsstätte.
Es ist ein gutes Gefühl, wenn man morgens in die Geschäftsstelle kommt und es stehen schon 15 Leute da, die ein Ticket kaufen wollen, sagt Dohmen zufrieden. Die in der Vergangenheit so oft geschundene badische Fußballseele hat offenbar ihre Sympathie für die Kicker aus dem Wildpark wieder entdeckt. Bereits drei Tage vor der Partie hatte der KSC über 25 000 Tickets für das Spiel abgesetzt. Als ich vergangene Saison gesagt habe, unsere Mannschaft hätte das Potenzial, jede andere Mannschaft in der 2. Liga zu schlagen, da hat man mich ausgelacht, sieht sich der Manager nun bestätigt: Es zeigt sich, dass wir mit unserer Politik richtig lagen. Das ist schon eine kleine Genugtuung.
Auch Trainer Edmund Becker nimmt die Sympathiewelle gerne an. Es tut gut, die Tabelle einmal von oben her anzuschauen, sagt Becker, kehrt aber gleich wieder zur gewohnten Nüchternheit zurück. Die Tabellensituation ist nur eine Momentaufnahme. Jubeln und feiern gehört dazu, aber man darf den Ball nicht zu hoch halten. Druck verspürt der 49-Jährige jedoch noch nicht: Nach den letzten vier Jahren ist das alles für mich eher Motivation. Besser als wenn sich die Leute das Maul zerreißen, was für ein Chaos-Club der KSC doch ist.
Spätestens seit dem 3:1-Erfolg in Offenbach, der den KSC für zwei Tage sogar an die Tabellenspitze katapultierte, kann selbst der bescheidene KSC-Coach die Spielstärke seiner Elf nicht mehr wegreden. Genau die bringt den Verein aber auch in Schwierigkeiten. Wenn wir tatsächlich aufsteigen würden, dann hätten wir ein echtes Problem, sagte Präsident Hubert Raase. Denn die Betriebsgenehmigung der Gegentribüne des Wildparkstadions läuft wegen ihres hohen Holzanteils aus brandschutzrechtlichen Gründen aus. Ein teurer Um- oder Neubau ist unausweichlich. Eine von der Stadt eingesetzte Kommission empfahl Anfang des Monats erwartungsgemäß die Weiternutzung der bisherigen Spielstätte. Nicht zuletzt, weil ansonsten eine 25 Millionen Euro teure Haupttribüne aus UEFA-Cup Zeiten als nutzlose Bauruine zurückbliebe.
Die Stadt als Vermieter des Wildparkstadions sagte mittlerweile ohnehin zwingend notwendige Nachbesserungen in Höhe von 3,6 Millionen Euro zu. Der Verein dagegen würde lieber neu bauen, jedoch ist der benötigte Investor trotz intensiver Gespräche noch nicht in Sicht. Alle anderen Voraussetzungen für eine Rückkehr ins Fußball-Oberhaus sieht Präsident Raase dagegen als unproblematisch an: Präsidium, Management und auch das gesamte Umfeld sind mit Sicherheit erstligatauglich. Dass vier Verträge zum Saisonende auslaufen, beunruhigt den Unternehmer ebenfalls nicht: Das wird dann eher ein Luxusproblem.
KSC-Gegner 1860 ist immer noch im Unklaren über die Folgen des Dopingfalls seines Spielers Nemnaja Vucicevic. Vom Ergebnis im Wildpark könnten die beiden anderen Mannschaften des punktegleichen Führungs-Quartetts profitieren: Absteiger SC Freiburg hofft in Siegen auf den zweiten Auswärts-Dreier der Saison, Energie Cottbus könnte zum Abschluss des Spieltages mit einem Erfolg gegen Greuther Fürth der lachende Vierte sein.
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