Genua/Berlin - Bei der Rückkehr in die Heimat um 03.00 Uhr in der Früh schlug der stille Ärger schon wieder in Trotz um. Mit einem Sieg im letzten Spiel gegen Steaua Bukarest haben wir sogar die Chance, die Gruppe zu gewinnen, erklärte Hertha-Trainer Falko Götz.
Zuvor hatte er auf dem nächtlichen Rückflug aus Genua besonders über die Ladehemmung seines Teams und den Form-Rückgang seines Top-Akteurs Marcelinho gegrübelt. Nach dem 0:0 bei Sampdoria steht für die Berliner nach drei UEFA-Cup-Gruppenspielen zwar erst ein einziger Treffer auf der Haben-Seite. Allerdings hat die Hertha-Defensive auch kein Gegentor zugelassen. Wir haben das Heft des Handelns weiter selbst in der Hand, betonte Götz mit Blick auf das Gruppen-Endspiel am 15. Dezember gegen Steaua Bukarest, ehe er in Berlin seine müden Minimalisten in die Betten schickte.
Dennoch dürften einige Berliner Profis der verpassten Chance nachtrauern, schon im Stadion Luigi Ferraris vor nur 16 507 Fans gegen schwache Italiener den Einzug in die K.o.-Runde perfekt zu machen. Wir hätten die Entscheidung schaffen können. Aber der letzte Mut hat gefehlt. Man hatte zu oft das Gefühl, dass die Mannschaft zu zeitig zufrieden war mit dem Unentschieden, erklärte Manager Dieter Hoeneß, der dem Team jedoch eine deutliche Steigerung gegenüber der Nullnummer gegen Lens bescheinigte. Götz verwies auf die fünf erreichten Zähler in Gruppe C, womit im Heimspiel gegen die bereits qualifizierten Bukarester schon ein erneutes Remis zum Überwintern im UEFA-Pokalwettbewerb reichen würde: In manchen Spielen muss man auch ergebnisorientiert denken, meinte er.
Dass international die Berliner Offensive krankt, hat vor allem mit Marcelinho zu tun. Wir machen uns schon etwas Sorgen, gestand Götz angesichts der Schwächephase des Brasilianers. Marcelinho war in Genua zwar 30 Minuten wieder mehr ins Spiel eingebunden als zuletzt, doch danach fiel seine Leistungskurve so stark ab, dass ihn der Trainer kurz vor dem Ende sogar auswechselte - Marcello verschwand wortlos in der Kabine. Bei den schwachen Freistößen und Eckbällen des Brasilianers hatte nicht nur Götz verwundert den Kopf geschüttelt. Das ist nicht der wahre Marcelinho. Es ist jetzt die Aufgabe aller Verantwortungsträger, ihn aufzubauen, betonte der 43-jährige Coach.
Einen aktuellen Anlass für das Schwächeln kann Manager Hoeneß nicht ausmachen: Wir werden Marcelinho einfach demonstrieren, dass wir ihm den Rücken stärken. Der wichtigste Hertha-Akteur und -Torschütze hat offenbar Motivations-Probleme. Ein WM-Auftritt in seiner Wahl-Heimat bleibt Marcelinho im kommenden Jahr verwehrt, da Brasiliens Nationalcoach Carlos Alberto Parreira auf andere Spieler setzt. Die Champions League ist in weiter Ferne. Und bei Hertha ist Marcelinho auch nicht mehr der alleinige Star. Mittlerweile spielt wie in Genua oft Yildiray Bastürk Marcelinhos Lieblingsrolle hinter den Spitzen. Mit der Position als zweiter Stürmer kann sich der 30-jährige Brasilianer schwer anfreunden.
Die Clubführung hat jedoch keine Zweifel, dass Marcelinho zu alter Stärke zurück findet. Bisher hat er in all den Jahren das Vertrauen immer zurückgezahlt. Er ist einfach einer, der dann wie Phoenix wieder aus der Asche kommt. Wir hoffen, dass dies schon am Sonntag in Leverkusen so sein wird, meinte Manager Hoeneß. Dann kann Götz auch wieder auf die in Genua fehlenden Pal Dardai und Dick von Burik setzen, während Alexander Madlung (Wadenprellung) fraglich ist.
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