Berlin - Der Boss verließ im Eiltempo die Stätte des Grauens, doch als Warnsignal für seinen erfolglosen Trainer sollte der schnelle Abgang von FCK-Vorstandschef René C. Jäggi nicht gelten.
Definitiv werde über Trainer Michael Henke nicht diskutiert, betonte Teammanager Olaf Marschall nach dem desaströsen 0:3 bei Hertha BSC. Noch nicht, könnte man anfügen angesichts von zehn Wochen und neun Partien ohne Bundesliga-Sieg für den 1. FC Kaiserslautern.
Henke ist sich der brisanten Lage auf Tabellenplatz 17 wohl bewusst. Das wirklich wichtige Spiel kommt jetzt auf uns zu. Gegen Nürnberg kann es keine Alibis und keine Ausflüchte mehr geben. Da zählen nur drei Punkte, erklärte der einstige Assistent von Meister-Coach Ottmar Hitzfeld und erhob das nächste Heimspiel gegen den Club damit zum Endspiel. Ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft den Ernst der Lage erkannt hat, ergänzte der Trainer.
Mit einer Leistung wie in Berlin allerdings wird für den FCK und Henke auch das Kellerduell gegen den 1. FC Nürnberg nicht zu bestehen sein. Es gab keinerlei positive Ansätze. So werden wir nicht viele Spiele mehr gewinnen, moserte Torwart-Routinier Thomas Ernst nach der chancenlosen Vorstellung vor 36 656 Zuschauern im Olympiastadion. Marcelinho (6.) mit seinem sechsten Saisontor, Marko Pantelic (48.) mit seinem vierten Tor im fünften Heimspiel sowie Nando Rafael (52.) mit seinem dritten Saisontreffer wandelten die klare Überlegenheit der Gastgeber in drei leicht verdiente Punkte um.
Erklärungen für den ungebremsten Sturzflug Richtung 2. Liga fielen Henke in Berlin schwer. In der Halbzeit sah sich der Lauterer Coach sogar zur lautstarken Frage an seine Profis veranlasst: Wovor habt ihr eigentlich Angst? Verunsichert, ohne Mut, aber auch ohne Aufbegehren präsentierte sich der viermalige deutsche Meister an der Spree. Die Abwehr offenbarte trotz einer Neubesetzung auf gleich drei Positionen mit Hervé Lembi, Ingo Hertzsch und Lucien Mettomo gravierende Defizite. Und das Offensiv-Spiel einschließlich des zehnmaligen Saison-Torschützen Halil Altintop fand praktisch nicht statt. Das hatte mit Fußball nicht viel zu tun, gestand auch Henke.
Angst vor einem jähen Ende seiner ersten Station als Cheftrainer noch vor den Richtung weisenden Partien gegen Nürnberg, in Hannover und wieder zu Hause gegen Frankfurt hat der 48-Jährige dennoch nicht: Ich bin fest überzeugt, dass ich in Ruhe weiter arbeiten kann. Ich habe einen engen Draht zum Präsidenten, er sieht täglich unsere Arbeit. Ehe Henke geht, gehe er vorher lieber selbst, verbreitete der FCK-Boss über die Bild am Sonntag. Zudem überlege er, ob er sich die ganze Sache überhaupt noch antun müsse. Ich bin es Leid, immer Geld zu besorgen, um die Spieler bezahlen zu können und dann so eine Leistung als Dank zu bekommen. Da mache ich lieber einen Kindergarten in Afghanistan auf, klagte Jäggi.
Berlin bejubelte auch ohne die fehlenden Stammkräfte Josip Simunic, Yildiray Bastürk und Gilberto mit dem fünften Sieg im sechsten Heimspiel den Anschluss an die obere Spitzengruppe, wie Trainer Falko Götz betonte. Besonders die Abteilung Attacke funktioniert immer besser: Schon zum dritten Mal nacheinander schoss Hertha drei Tore. Mit zwei Stürmern geht es viel besser. Da fühle ich mich auf meiner Lieblingsposition hinter den Spitzen wohler, begrüßte Marcelinho die taktische Umstellung seines Trainers, der zuvor auch zu Hause oft nur einen echten Angreifer aufgeboten hatte.
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