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Reinhard Rauball: Betrachte mich als Teamplayer | 2007-08-03


Dortmund - Reinhard Rauball soll neuer Präsident des Ligaverbandes werden. Auf der Generalversammlung der 36 Fußball- Proficlubs am 7. August in Berlin ist der 60 Jahre alte Jurist einziger Kandidat. Rauball wird Wolfgang Holzhäuser ablösen.

Frage: Was hat Sie bewogen, für das Amt zu kandidieren?

Rauball: Es ist an mich herangetragen worden. Es gab für mich zwei wesentliche Gründe, Ja zu sagen. Das im Vorfeld öffentlich inszenierte Personengerangel hat mir missfallen. Damit beschädigt man das Amt des Ligapräsidenten. Schließlich ist das sportpolitisch gesehen eines der höchsten Ämter in Deutschland. Zudem steht es einem erfolgreichen Club wie Borussia Dortmund gut zu Gesicht, wenn mal ein Repräsentant an höherer Stelle Verantwortung trägt.

Frage: Wolfgang Holzhäuser hat andere Konsequenzen aus dem Gerangel gezogen und seinen Verzicht auf das Amt des Vizepräsidenten verkündet. War seine Kritik berechtigt?

Rauball: Ich habe mich an keiner Personaldiskussion beteiligt. Das steht mir nicht zu. Die Holzhäuser-Aussagen haben mich in dieser Deutlichkeit überrascht. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben des Ligapräsidenten sein, schnell eine einheitliche Linie im Ligavorstand zu schaffen. Sonst sind die künftigen Aufgaben nicht zu lösen.

Frage: Ist das Amt des Ligapräsidenten mit dem Amt des BVB-Präsidenten vereinbar? Drohen Interessenkonflikte?

Rauball: Der Ligaverband hatte eine Beratungsfirma beauftragt, ein Profil für den künftigen Ligapräsidenten zu erstellen. Das Ergebnis war: Er sollte nicht aus dem operativen Geschäft kommen. Ich bin beim BVB nicht im operativen Geschäft tätig, das macht unsere Geschäftsführung.

Frage: Was sind die wichtigsten Aufgaben des Ligapräsidenten?

Rauball: Ich sehe die Position des Ligapräsidenten als eine ausgleichende. Er vertritt die Interessen von Vereinen mit geringer und auch hoher Wirtschaftskraft. Darüber hinaus sollte der Ligapräsident Garant dafür sein, dass der Liga das Gewicht zukommt, das einem Premiumprodukt im deutschen Sport zusteht.

Frage: Der Grundlagenvertrag, der die Geldflüsse zwischen der Liga und dem DFB regelt, steht erneut zur Diskussion. Droht ein Streit?

Rauball: Es geht um eine sachgerechte Anpassung. Wir haben den Wunsch, mehr Geld zu erlösen. Aber ich betrachte mich auch da als Teamplayer. Ich habe mit DFB-Präsident Zwanziger ein Orientierungsgespräch geführt. Er ist jemand, der sich sachlichen Argumenten gegenüber aufgeschlossen zeigt.

Frage: Die Verhandlungen um den neuen Fernsehvertrag sind schwieriger geworden. Bereitet Ihnen die Monopolstellung von Premiere Kopfzerbrechen?

Rauball: Es ist der falsche Zeitpunkt, öffentlich über diese Verhandlungen zu reden. Ich habe volles Vertrauen zu DFL- Geschäftsführer Christian Seifert - einem Topmanager, der genau weiß, wie man die DFL in dieser Frage positioniert. Man wird sehen, ob Premiere wirklich ein Monopolanbieter in Deutschland ist oder ob es vielleicht doch noch eine Überraschung gibt.

Frage: Laut Wolfgang Holzhäuser ist die Sportschau keine heilige Kuh. Ist die bei den Fans beliebte Sendung in Gefahr?

Rauball: Es wäre unklug, durch Erklärungen die Position der Liga zu schwächen. Ich habe das eher so verstanden, dass Herr Holzhäuser für die Verhandlungen ein möglichst breites Spektrum schaffen wollte. Unter dem Motto: Man kann nichts ausschließen. Inhaltliche Vorgaben zu diesem Zeitpunkt sollte man sich ersparen.

Frage: Wo steht die Bundesliga im Vergleich zu den Top-Ligen in England, Spanien und Italien?

Rauball: Wenn man zu einem solchen Amt antritt, muss man sich Ziele setzen. In der Fünfjahreswertung der UEFA sind wir bedenklich abgerutscht und müssen unsere Position gegen ein Land wie Rumänien verteidigen. Wir sollten das mittelfristig verbessern und in überschaubarer Zeit mindestens wieder an die vierte Stelle rücken.

Frage: Ist es deshalb erstrebenswert, Großinvestoren wie Abramowitsch die Mehrheit bei einem Bundesligisten zu ermöglichen?

Rauball: Es liegt ein Antrag von Hannover 96 auf dem Tisch. Ich verstehe diesen Antrag so, dass man sich mehr dem Kapitalmarkt öffnen will. Was der traditionellen Linie im deutschen Fußball widerspricht. Man muss schauen, wie groß sind die Chancen, wie groß die Risiken. Und wie man die Risiken aus juristischer Sicht eingrenzen kann.

Frage: Die Bundesliga hinkt auch bei den Erlösen durch die Auslandsvermarktung hinterher. Besteht Nachholbedarf?

Rauball: In diesem Bereich sehe ich Potenzial. Ich rege an, dass alle Vereine ihre Aktivitäten verstärken. Sie sollten in der Heimat ihrer Stars spielen. Borussia Dortmund zum Beispiel hat das getan und ein Trainingslager in der Schweiz und ein Testspiel in Polen gemacht. So etwas hilft.

Frage: Der Modus beim Ligapokal und auch beim DFB-Pokal steht in der Diskussion. Beschließt die UEFA eine Teilnahme des Pokalsiegers an der Champions League, könnte sich diese Diskussion noch verstärken.

Rauball: Bevor wir uns über solche Fragen unterhalten, brauchen wir erst einmal ein schlüssiges Konzept. Da ist die DFL-Geschäftsführung gefordert. Ein solches Konzept muss erst beraten werden - und zwar intern. So kommt man eher zu einem Ergebnis, als wenn man über die Medien bestimmte Vorschläge mitteilt, die dann am nächsten Tag wieder Makulatur sind.

Frage: Der Rekordmeister aus München macht mit Rekordinvestitionen von sich reden. Tut dieser neue Kurs der Liga gut?

Rauball: Was der FC Bayern macht, ist zunächst einmal eine Sache, die ausschließlich dort zu entscheiden und zu verantworten ist. Ich freue mich darauf, dass wir neue Stars in der Liga haben. Ich würde mich auch freuen, wenn diese Politik zum Erfolg führt. Das könnte auch andere ermutigen, neue Highlights in der Bundesliga zu setzen. Damit will ich nicht sagen, dass ich mich freuen würde, wenn der FC Bayern am Ende Meister wird. Das sollte derjenige sein, der nach 34 Spieltagen die beste Bilanz aufweist.


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