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Zwischenspurt auf Sanierungsmarathon beim BVB | 2005-11-18


Dortmund - Not macht erfinderisch. Beim von Präsident Reinhard Rauball angekündigten Sanierungsmarathon legt Borussia Dortmund einen Zwischenspurt ein.

Vor der Jahreshauptversammlung des Vereins am 20. November und der Aktionärsversammlung des börsennotierten Fußball-Unternehmens am 22. November wurde viel über Umschuldung, Wandelanleihen, Kapitalerhöhung und den Rückkauf des Westfalenstadions geredet. Es wäre fahrlässig, sich keine Gedanken über verschiedene Optionen zu machen, sagte Hans-Joachim Watzke.

Schwer trägt der Geschäftsführer der KGaA an der Schuldenlast von 89 Millionen Euro. Deshalb denkt er über eine Umschuldung nach. Ziel dieser Maßnahme ist es, die hohe Zahl von derzeit rund 70 Gläubigern deutlich zu reduzieren und mit einem kleineren Kreis an Geldgebern längere Rückzahlungszeiträume zu vereinbaren. Das würde Watzke die Arbeit merklich erleichtern: Wir erwirtschaften auch ohne Europacup 80 Millionen Euro Erlöse. Das gibt es nirgendwo. Die Frage ist aber, wie lange noch. Mittelfristig muss der BVB wieder international spielen. Deshalb brauchen wir einen größeren finanziellen Spielraum.

Bei der geplanten Umschuldung strebt der BVB offenbar eine Kooperation mit der US-Investmentbank Morgan Stanley an. Dem Vernehmen nach prüft das weltweit operierende Bankhaus derzeit die Möglichkeit eines Einstiegs im dreistelligen Millionenbereich. Ein Insolvenzspezialist des Unternehmens, Patrick Albert Lynch, steht als neues Mitglied im Aufsichtsrat der KGaA zur Wahl. Darüber hinaus werden die BVB-Anteilseigner gebeten, der möglichen Ausgabe von Wandelanleihen in Höhe von 40 Millionen Euro und einer ins Auge gefassten Kapitalerhöhung in Höhe von 14,6 Millionen Euro zuzustimmen. Wir wollen uns rein optional mit einem Werkzeugkasten ausstatten. Es ist jedoch noch völlig offen, ob wir davon Gebrauch machen werden, begründete Watzke diesen Schritt.

Schon auf der Jahreshauptversammlung der Borussia zwei Tage zuvor sollen entscheidende Weichen gestellt werden. Für das neu zu besetzende Amt des stellvertretenden Präsidenten hat der Wahlausschuss des Vereins den Dortmunder Unternehmer Albrecht Knauf vorgeschlagen. Der millionenschwere 64 Jahre alte Hoffnungsträger, alleiniger Gesellschafter eines Baustoff-Herstellers sowie Mehrheitsgesellschafter der Fluglinien Eurowings und Germanwings, wird dem Verein nach Meinung von Watzke viel nutzen: Er ist im regionalen Wirtschaftsleben exzellent verknüpft. Außerdem wäre es eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn ein so potenter Geschäftsmann mit im Vereinsboot sitzt.

Anders als seine Vorgänger Gerd Niebaum und Michael Meier im vorigen November kann Watzke seinem Doppel-Auftritt vor den Mitgliedern und Aktionären gelassen entgegensehen. Dank seiner Aufräumarbeiten hat sich die Lage im Epi-Zentrum des vergangenen Fußball-Jahres merklich entspannt. Das habe ich von meinen Eltern gelernt. Wenn du deine Aufgaben gemachst hast, kannst du mit gutem Gewissen Rechenschaft ablegen, sagte Watzke.


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