Hannover - Michael Tarnat hat Ewald Lienen möglicherweise den Job als Trainer von Hannover 96 gerettet. Durch sein Tor in der letzten Sekunde der Nachspielzeit erkämpften sich die Niedersachsen im Bundesliga-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 ein glückliches 2:2 (0:1).
Bis fünf Minuten vor dem Abpfiff sahen die Mainzer nach Toren von Manuel Friedrich (31.) und Benjamin Auer (65.) wie der sichere Sieger aus. Doch der Anschlusstreffer von Thomas Brdaric (86./Handelfmeter) war das Signal für einen dramatischen Endspurt, in dem Tarnat den Ball aus kurzer Entfernung über die Linie drückte.
Man hat gesehen, dass die Mannschaft und das Verhältnis zum Trainer intakt ist, kommentierte Tarnat seinen Jubellauf. Nach dem Treffer war er mit seinen Mitspielern im Schlepptau direkt zu Lienen gerannt und hatte ihn umarmt.
Zuvor schienen die Tage des Trainers bei der ambitionierten Vereinsführung von Hannover 96 gezählt zu sein. Wir haben die Schnauze voll, skandierten die 96-Fans unter den 35 433 Zuschauern nach 70 Minuten und forderten: Lienen raus. Der Coach sagte dazu: Ich habe gelernt, damit zu leben. Aber für die Mannschaft ist es schwer, wenn sie dem Trainer den Job retten soll.
Allerdings klafften Anspruch und Wirklichkeit bei den spielerisch einfallslosen Niedersachsen auseinander. In der Tabelle verteidigte das Lienen-Team den Ein-Punkte-Vorsprung vor Mainz 05. Der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp fehlten nach einem taktisch disziplinierten Auftritt nur wenige Minuten zum zweiten Saison- Auswärtssieg.
96-Coach Lienen hatte nach der heftig kritisierten 1:4-Pleite in Bielefeld seine Mannschaft auf vier Positionen verändert. Die Außenverteidiger Steven Cherundolo und Tarnat sollten der Abwehr stabilisieren. Im Angriff wurde Nationalspieler Brdaric nach einem auskurierten Muskelfaserriss erstmals von Mohammadou Idrissou unterstützt. Der Stürmer aus Kamerun hatte zuletzt am 11. Dezember 2004 das 96-Trikot getragen und wurde bei seinem unauffälligen Comeback zur Pause ausgewechselt.
Hannover 96 begann aggressiv, setzte die technisch besseren Mainzer aber nur am Anfang und in der Schlussphase unter Druck. Vor allem Brdaric rackerte unermüdlich und lieferte sich mit dem Mainzer Torwart Dimo Wache ein Privat-Duell. Zuerst war Wache mit der Hand schneller am Ball (21.) als der 96-Stürmer, dann rettete der 05-Schlussmann per Fuß (26.) gegen den allein auf ihn zulaufenden Brdaric. Die Mainzer Halbzeit-Führung fiel aus heiterem Himmel. Nach einem Eckball von Antonio Da Silva kam Friedrich unbedrängt zum Kopfball.
Nach der Pause versuchte Lienen sein Glück in der totalen Offensive. Für Idrissou und den schwachen Kapitän Altin Lala, der nach der fünften Gelben Karte im nächsten Spiel beim VfB Stuttgart pausieren muss, kamen die Stürmer Michael Delura und Vahid Hashemian ins Spiel. Die Mainzer überstanden mit Glück, Geschick und einem guten Wache einige gefährliche Situationen und schlossen einen ihrer wenigen Konter erfolgreich durch Auer ab. Das sechste Saisontor von Brdaric weckte dann aber noch einmal die 96-Kräfte, die schließlich zum umjubelten Ausgleich führten.
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