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Ballack liefert Glanzleistung trotzt Zerrung | 2005-11-13


Paris - Ausgerechnet im Wohnzimmer von Zinedine Zidane avancierte Michael Ballack zur dominierenden Figur.

Obwohl schon nach fünf Minuten wegen einer Oberschenkelzerrung gehandicapt, hielt der deutsche Nationalmannschafts-Kapitän beim 0:0 gegen Frankreich bis zum Schlusspfiff durch und bot im Stade de France eine Glanzleistung, die Mitspielern, Gegnern und Zuschauern gleichermaßen Respekt einflößte. Da muss man den Hut ziehen. Ich weiß, wie es ist, wenn man solch eine Verletzung hat, sagte Team-Kollege Bernd Schneider. Es spricht für ihn, dass er auf die Zähne gebissen hat, lobte auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Das Prestigeduell hatte noch gar nicht richtig Fahrt aufgenommen, da schien es für Ballack schon beendet. Ein Ausfallschritt, ein Schmerz - ausgerechnet im rechten Oberschenkel, der schon in der vergangenen Woche wegen einer Prellung lädiert war. Ballack ließ sich behandeln, machte weiter - Klinsmann schickte Fabian Ernst zum Warmlaufen. Nach 24 Minuten folgte der erneute Gang an die Außenlinie zu Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und wieder die Rückkehr auf den Rasen - in den Zweikämpfen zwar nicht mehr mit der letzten Konsequenz, aber trotzdem mit enormer Ausstrahlungskraft.

Wir haben sehr von seiner Präsenz profitiert, sagte Klinsmann, der damit gerechnet hatte, dass sein Mittelfeld-Stratege spätestens zur Halbzeit die Segel streichen würde: Wir hatten ihm die Entscheidung überlassen. Doch Ballack folgte nicht dem ungeschriebenen Gesetz der Vereine, wonach sich ein Profi im Test- Länderspiel beim geringsten Anzeichen einer Blessur abzumelden hat, um anstehende Club-Aufgaben nicht zu gefährden. Ballack wollte partout nicht kapitulieren. Ich hatte mir in der Pause überlegt, rauszugehen. Aber der Physiotherapeut hat dann noch einmal gute Arbeit geleistet, so dass ich eigentlich bis kurz vor Schluss gut durchhalten konnte, sagte Ballack. Dass in der Entscheidung auch ein großes Waagnis lag, verhehlte er nicht: Es war an der Grenze.

Bayern-Trainer Felix Magath dürften am Fernseher die Haare zu Berge gestanden haben angesichts der von Ballack gesetzten Prioritäten. Zumal noch offen ist, ob der 29-jährige Mittelfeldstar die Spuren des Länderspiels bis zum Punktspiel bei Arminia Bielefeld wird beseitigen können. Im Nationalteam wie auch bei den unabhängigen Betrachtern hingegen hat Ballack mit seinem Paris-Auftritt weiter an Wertschätzung gewonnen. Bei seinem letzten Gastspiel im Stade de France hatte er im Februar 2001 mit einem Fehlpass auf Willy Sagnol die 0:1-Niederlage verschuldet und obendrein das Duell mit Frankreichs Superstar Zidane um Längen verloren. Zizou war diesmal an jener Stätte, in der er die Equipe Tricolore 1998 zum WM-Titel geschossen hatte, verletzungsbedingt nicht dabei - und Ballack der unumstrittene Chef.

Vielleicht findet der Rollentausch demnächst im Bernabeau-Stadion von Real Madrid seine Fortsetzung. Dort suchen die Königlichen einen Nachfolger für den in die Jahre gekommenen Zidane. Der mitten im Vertragspoker steckende Ballack gab jedenfalls gegen Frankreich ein exzellentes Empfehlungsschreiben ab.


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