Köln - Die beiden schwäbischen Trainer Uwe Rapolder und Ralf Rangnick litten beim 2:2 (0:1) zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 seelische Qualen, die ihre Ursache im Versagen gut bezahlter Fußball-Profis hatten.
Die zwei Punkte, die man in unserer Situation nicht macht, tun furchtbar weh, kommentierte Rapolder das Remis, das für beide einer Niederlage gleich kam. Köln war doch schon scheintot, trauerte Schalkes Rangnick Entgangenem hinterher.
Was die beiden Fußball-Lehrer so erzürnte, waren zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. Wir können uns nicht die ganze Woche über gegenseitig Mut machen, freundlich sein und Händchen halten und uns dann vor ausverkauftem Haus so präsentieren - das geht nicht, ließ Rapolder kein gutes Haar an der Leistung seiner Kölner vor der Pause. Das war die totale Überlegenheit, der Gegner konnte am Spiel gar nicht teilnehmen, lautete Rangnicks Resümee vor dem aus Schalker Sicht ungewollten Umschwung.
1:0 führte der Champions-League-Starter durch Kevin Kuranyis Kabinettstück: Mit dem rechten Fuß jonglierte der Nationalstürmer den Ball in der 23. Minute über Björn Schlicke und drosch die Kugel mit links in die Maschen. Da sprach alles für eine glanzvolle Generalprobe vor dem Königsklassen-Hit am Mittwoch gegen den PSV Eindhoven, zumal Aufsteiger Köln vor 50 000 Besuchern im RheinEnergieStadion in Ehrfurcht erstarrte.
Da haben wir gar nicht stattgefunden. Wir waren uninspiriert, verunsichert und haben zu wenig gekämpft, schimpfte Rapolder. Wenn es 2:0 oder 3:0 steht, haben wir noch genügend weitere Möglichkeiten nicht genutzt, blickte Rangnick auf den besseren Part des königsblauen Auftritts zurück. Dann redete Rapolder seinen Jungs ins Gewissen - und plötzlich wirbelten die Kölner, waren aggressiv, glänzten auch spielerisch: Der Trainer hat ne richtig deftige Ansprache gehalten, begründete Keeper Stefan Wessels den Wandel.
Innerhalb von elf Minuten machten Roland Benschneider mit seiner Bundesliga-Torpremiere (47.) und der 19-jährige Denis Epstein (57.) aus dem Rückstand das 2:1. Doch dann kam die 70. Minute, Youssef Mokhtari wollte selbst das 3:1 machen, übersah die besser postierten Lukas Podolski und Matthias Scherz - und scheiterte. Das war die Schlüsselszene, das war sehr, sehr ärgerlich, sagte Rapolder. Der eingewechselte Ebbe Sand (Wir müssen froh sein, dass wir noch einen Punkt geholt haben) bestrafte die mit dem 2:2 (86.).
Er ist kein Sündenbock. Aber es ist ein Lehrstück für Teamwork, soziale Kompetenz und Altruismus. Er muss jetzt einen Aufsatz drüber schreiben, konnte Rapolder über Mokhtaris fatalen Eigennutz später sogar scherzen. Rudi Assauer war danach überhaupt nicht zumute: So kommst du nicht nach oben. Da musst du cleverer sein, kritisierte der Schalker Manager - und meinte damit vor allem Lincoln.
Auch für Rangnick trug der brasilianische Spielmacher mit seinem Abschluss-Versagen die Hauptschuld daran, dass Schalke auf der Stelle tritt: Lincoln muss drei machen. Normalerweise macht er die blind. Generell fehle dem Team in dieser Saison der Killerinstinkt. Jetzt will Rangnick der Mannschaft vor Augen führen, dass es nicht reicht, nach einem solchen Spiel kopfschüttelnd in der Kabine zu sitzen. Vom Ziel Meisterschaft haben sie ohnehin längst Abschied genommen.
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